Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Grimm, Gerald: Elitäre Bildungsinstitution oder „Bürgerschule“? Das öster­reichische Gymnasium zwischen Tradition und Innovation 1773-1819. Peter Lang: Frankfurt/M.-Berlin-Bem-New York-Paris-Wien 1995 (Aspekte päd­agogischer Innovation 20). X und 607 S., 11 Tab. Gegenstand der Studie Grimms - es handelt sich bei ihr um seine 1994 der Fakul­tät für Kulturwissenschaften der Universität Klagenfurt vorgelegte Habilitations­schrift - ist das österreichische Gymnasium während der Spätaufklärung und der beginnenden Restauration. Ziel Grimms ist es hierbei, in besagtem Zeitraum „Die Entwicklung des höheren Schulwesens der Habsburgermonarchie im Kontext des allgemeinen politisch-gesellschaftlichen Strukturwandels und der pädagogisch­wissenschaftlichen Diskussion [...] detailliert darzustellen“. (S. 5 f.) Diesem Bestreben Grimms ist umso mehr Aufmerksamkeit und Interesse zu zol­len, als es gerade für die zwei, drei Jahrzehnte vor und nach 1800 verschiedentlich an entsprechenden Detailforschungen punkto primärem, sekundärem und tertiärem Bildungssektor mangelt. Und dies wiederum erscheint bei näherer Betrachtung ver­wunderlich, als gerade diese Zeit von interessanten, teils konträren bildungs- und wissenschaftspolitischen Diskussionen geprägt ist, wie der Rezensent aus eigenen Studien betreffs des tertiären Bildungssektors weiß. Gleichsam als Einleitung bietet Grimm eine eingehende Auseinandersetzung mit der bisherigen schulgeschichtlichen Literatur und deren Sicht der Gymnasialent­wicklung im Zeitalter der Aufklärung und Restauration sowie mit einer Darlegung der methodologischen Prinzipien, die er seiner Studie zugrunde legt (S. 3-30). Die Arbeit selbst ist in vier große Kapitel unterteilt, von denen das erste die spätthere- sianische Epoche 1773-1780 umfaßt (S. 31-146), das zweite das josephinische Jahr­zehnt 1780-1790 beleuchtet (S. 147-256), das dritte vom Regierungsantritt Leopolds bis zur Auflösung der Studienrevisionshofkommission bzw. bis zur Wiedereinfüh­rung des Direktorialsystems im Jahre 1802 reicht (S. 257-422) und das vierte schließlich den Zeitraum von 1802 bis 1819 behandelt (S. 423-567). In all diesen Kapiteln setzt sich Grimm nicht nur mit den jeweils in Geltung ste­henden Lehrplänen und ihrem Werden auseinander, sondern er geht auch eingehend auf den jeweiligen zeitgenössischen schulpolitischen Diskurs ein. Im Zusammen­hang damit bespricht er auch jene Reformpläne, die zwar diskutiert wurden, die letztlich aber nicht zum Zuge kamen. Er vergleicht sie punkto Innovation mit jenen, die in Geltung standen, und untersucht die Gründe, die ihre Genehmigung nicht opportun erscheinen ließen. Im einzelnen zu nennen sind in diesem Zusammenhang die Gymnasiallehrerversammlung sowie jene Vorschläge, die im Kreise der Studien­revisionshofkommission ventiliert oder beraten wurden. Weiters analysiert Grimm auch die jeweils verwendeten Lehrbücher in metho­disch-didaktisch wie auch in inhaltlicher Hinsicht und bietet somit einen nicht un­wesentlichen Einblick in die Realität des Lehrens und Lernens. Gleichzeitig werden hiermit aber auch die Schwierigkeiten dokumentiert, die Reformen immer nur zeit­verzögert greifen ließen. 523

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