Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Neben Tannstetters Wirken an der Universität und im königlichen Dienst setzt sich Graf-Stuhlhofer in diesem Kapitel auch mit der Gründung und Bedeutung des Poe­tenkollegs sowie mit den humanistisch gefärbten Reformansätzen zu Zeiten Ferdi­nands I. auseinander. Besonderes Augenmerk verdient in diesem Zusammenhang seine Sicht des Poetenkollegs als „Ansatz zu einer vierten oberen Fakultät.“ (S. 48) Im zweiten zentralen Kapitel der Studie ist es Graf-Stuhlhofer um die „Wirkungsfelder“ Tannstetters zu tun. Beleuchtet werden dessen Tätigkeit als Ver­fasser und Herausgeber von Werken sowie dessen Wirken im Geiste des Humanis­mus. Behandelt wird auch Tannstetters Verhältnis zur Religion sowie seine Bemü­hungen und sein Engagement punkto Astronomie, Astrologie, Medizin, Kartogra­phie sowie punkto Wissenschaftsgeschichte respektive Wissenschaftsgeschichts­schreibung, wie wir heute sagen würden. Soweit es Tannstetters Wirken als Huma­nist anlangt, sei festgehalten, daß Graf-Stuhlhofer hierbei eine Reihe von Fragen punkto Humanismus und Humanisten, aber auch mit Blick auf Tannstetter anspricht, die noch im Diskurs stehen. Im letzten Kapitel - „Anmerkungen zur Geschichtsschreibung“ - setzt sich Graf- Stuhlhofer vor dem Hintergrund seines Themas kritisch mit der historischen Litera­tur auseinander, insoweit es ihre Quellengenauigkeit betrifft. In diesem Zusammen­hang stellt er insbesondere Joseph Aschbachs Geschichte der Wiener Universität kein gutes Zeugnis aus, wobei er zu dem Schluß kommt, „daß man sich letztlich auf keine Aussage Aschbachs verlassen kann.“ (S. 174 f.). Letzteres ist bei Graf-Stuhlhofers Arbeit zweifellos nicht der Fall. Und dies ist si­cherlich einer der Vorzüge dieser Studie. Sie ist quellenmäßig fundiert gearbeitet und bietet einem - sei man nun an politischer Geschichte, Kulturgeschichte, Ma­thematikgeschichte, Astronomiegeschichte, Medizingeschichte etc. speziell inter­essiert - die entsprechenden Einstiegsmöglichkeiten. Es bleibt zu wünschen, daß Graf-Stuhlhofers Studie, deren schwächster Punkt ein fehlerhaftes Register ist, durch die nunmehrige Publikation in der Schriftenreihe des Wiener Universitätsarchivs eine größere Verbreitung finden wird als die seinerzeitige Wiener Dissertation, die vorzugsweise nur Insidern bekannt geworden ist. Herbert H. Egglmaier, Graz 522

Next

/
Oldalképek
Tartalom