Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 richtsbeisitzer Josef Schopf erschien dies und die Tatsache, daß Reuß, dessen Ver­mögensverhältnisse früher nicht die besten waren, über viel Geld verfügte und be­reits wegen des Kaufes der Tschernoschiner Post beim Notar war, verdächtig, und er erstattete am 21. März die Anzeige. Der Kreishauptmann von Pilsen und Landes­grenzkommissär, Gubemialrat Joseph Daczizky Ritter von Heßiowa, ließ darauf Bein mit allen seinen Habseligkeiten und Schriften am 24. März nach Pilsen brin­gen. Am Tag darauf wurde Bein und Reuß vor einer Kommission, bestehend aus Heßiowa, Schopf, Kreiskommissär Domik und dem Mariafelser Oberamtmann Franz Ebert einvemommen. Dornik war von Heßiowa beigezogen worden, damit er nicht, „wie es gewöhnlich bei derlei geheim Reisenden zu geschehen pflegt, einer üblen Behandlung beschuldigt werden könnte“. Bein gab an, daß er den Auftrag des Königs von Preußen habe, die in Not befindli­chen ranzionierten Offiziere mit Geld zu unterstützen. Sein Paß sei mit Wissen Sta­dions vom preußischen Gesandten Finkenstein auf den Namen Hagen ausgestellt worden, weil er als ehemaliger Bayreuther Redakteur proskribiert sei. Da er sich in Asch wegen der Indiskretion des Grafen Lanzac-Chaunac nicht sicher fühlte und durch Zufall Reuß traf, wählte er Tschernoschin als Aufenthaltsort. Bein hatte 1 936 fl. 30 kr. Münzen und 1 900 Stück Dukaten sowie zwei Bankanweisungen vom Wiener Wechselhaus Amstein & Eskeles über 23 000 fl. C.M. auf das von Zwanzigerische Geschäftshaus in Nürnberg und über 20 000 fl. C.M. auf Löhr & Comp, in Leipzig bei sich, und meinte, er könne in vierzehn Tagen den größten Teil seines Geschäftes erledigen, wenn ihm der Aufenthalt in Tschernoschin gestattet werde, um den er ansuche. Sollte ihm der Aufenthalt in Tschernoschin oder über­haupt in Böhmen nicht gestattet werden, so sei er bereit, „ins Bayreuthische oder nach Sachsen hinauszureisen und sich dort für das Wohl seines Vaterlandes aufzu­opfern“. Reuß, dessen großer Geldaufwand aufgefallen war, erzählte bei seiner Einvernah­me, wie er Bein kennengelernt habe und daß er nun Postmeister von Tschernoschin sei, worauf ihm erklärt wurde, daß er hiezu noch einer Übersiedlungsbewilligung bedürfe. Schopf hatte bereits am 21. März Heßiowa darauf hingewiesen, daß der Paß des Hagen zwar nicht falsch zu sein scheine, daß er aber nur mit dem Namen Hudelist ohne Charakter64 unterzeichnet sei. Und hier passierte Heßiowa ein folgenschwerer Fehler. Er übernahm diese Darstellung Schopfs in seinem Schreiben, das er am Tage der Einvernahme Beins an Wallis sandte und meinte, der Paß sei „gar zu unbe­stimmt auch von keinem Herrn Präsidenten, sondern nur von dem Hudelist gefer­tigt“, der hier nicht bekannt sei. Heßiowa erwähnte noch, daß Bein Briefe von Göt­zen und anderen preußischen Kommandanten vorlesen ließ und bat um Weisung, ob Bein der Aufenthalt gestattet werden solle. Zwei Tage später kam die Antwort von Wallis mit dem Vermerk „zur eigenhändigen Eröffnung“. In ihm hieß es: 64 Ohne Beruf, hier: ohne Amtstitel. 347

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