Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor „Noch ist eine Hoffnung des Gelingens vorhanden. Die Sache muß einschlafen; um der guten Sache willen, bitten wir daher [...] nichts mehr in dieser Geschichte zu unterneh­men, die angeschafften Waffen und Kleidungen in Tschemoschin liegen zu lassen und sich eiligst nach Wien zurückzuziehen. Wir bleiben in der Gegend, beobachten den Zeit­punkt, und wie dieser nur einigermaßen günstig ist, dann wollen wir von Neuem begin­nen, was so schöne Früchte tragen soll.“ Le Grand hatte sogar die Mutter der Lanzac-Chaunac besucht und ihr erzählt, daß ihre Söhne denunziert worden seien, eine Verschwörung gegen die französische Regierung angezettelt zu haben, und er den Auftrag habe, sie, wo er sie finde, zu arretieren und nach Frankreich abzusenden, und daß sie ihm gewiß nicht, wo immer sie sich befänden, entgehen würden. Dies teilte die Mutter aus Bayreuth den Brüdern Lanzac-Chaunac in einem Brief mit, den sie am 25. März erhielten und sogleich Prochazka zeigten. Sie lebten nun in der Angst, daß Le Grand von der österreichi­schen Regierung ihre Arretierung verlangen werde. Ludwig wollte seine wichtigen Schriften und das Geld, das er „zum bekannten Zweck“ vom König erhalten hatte, vom Grafen Zedtwitz in Schönbach holen und einige Zeit im Verborgenen abwarten, was Le Grand unternehmen werde. Er glaubte, daß ein an den König abgesandter Offizier gefangen genommen worden war, der das Geheimnis verraten haben dürf­te.62 Am Tag darauf erhielten die Brüder Lanzac-Chaunac wieder Post. Mehrere ihrer ins Geheimnis eingeweihten Kameraden hatten schleunigst flüchten müssen und waren nach München gegangen, weil ihnen dies sicherer als Österreich er­schien. In einer Proklamation forderte Le Grand am 24. März die im Bayreuthischen zer­streuten preußischen Soldaten auf, sich binnen eines Monats zu melden, um entwe­der nach Mainz transportiert zu werden oder in bayerische Dienste zu treten. Der Ellbogener Kreishauptmann berichtete dazu, daß das Volk durch Herabreißen und Beschmieren mit Kot sein Mißvergnügen über diese Proklamation äußere und eine große Zahl preußischer Soldaten nach Böhmen flüchte, woran sie Le Grand weder hindern könne noch wolle, da es ihm hauptsächlich darum ginge, sich dieser für ihn gefährlichen Menschen zu entledigen. Kaiser Franz, dem diese Entwicklungen von Sumeraw mitgeteilt wurden, meinte zur Befürchtung der Brüder Lanzac-Chaunac, daß ein Auslieferungsbegehren kaum zu erwarten sei, und, da sie nicht französische Untertanen seien, ohnehin abgelehnt werden müßte.63 Mit diesen Entwicklungen war der erste Versuch, einen Aufstand im früher preußischen Ansbach und Bayreuth zu erregen, fehlgeschlagen. Unsterblicher Ruhm oder Ermordung? Wie Bein selbst geschrieben hatte, hatte er Schwierigkeiten, einen Ort zu finden, wo er seine Waren unterbringen konnte. Erst das zufällige Zusammentreffen mit Johann Reuß brachte die Lösung. Bein quartierte sich am 18. März beim Postmeister von Tschemoschin als Kaufmann Hagen ein. Dem Mieser Magistratsrat und Ge­62 AVA, PHSt 1274/0/1807, 1274/zzz/1807. 63 AVA, PHSt 1274/u/1807, 1274/H/1807, 1274/o/1807, 1274/zzz/1807. 346

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