Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 „Unter der doppelten Bedrängnis, wenn das Anvertraute keine gesetzwidrige Handlung sei, und daß Gefertigter - als Staatsbeamter - das Geheimnis seinem Kreischef57 und durch ihn Seiner Exzellenz dem Herrn Burggrafen58 entdecken mußte, gab der Gefertigte das geforderte Ehrenwort.“ Nach vielen Bedenken, sein Geheimnis könne verraten werden, gestand Lanzac- Chaunac, daß überall preußische Offiziere und Vertraute unter Lebensgefahr eine Revolution vorbereiteten. Bayreuth und Thüringen wären schon im höchsten Grade einem Aufstand nahe und die sächsische Armee zum Teil gewonnen. An einem Tag würde die Explosion überall vor sich gehen. Die Wägen, die er erwarte, hätten nicht Glas, sondern Waffen und Monturstücke geladen. An die Grenze von Böhmen ge­stellt, erwarteten sie den Ausbruch, um ins Bayreuthische zu fahren und sofort unter die Anhänger die Waffen und Monturen zu verteilen. „Gott, schrie er jetzt auf einmal, und Tränen stürzten ihm aus den Augen, ich habe meinen Eid gebrochen, ich habe mein Geheimnis verraten. Herr, setzte er hinzu, ein Mißbrauch dieses Geheimnisses mordet mich und vielleicht hunderte meiner Kameraden und macht ein großes Werk scheitern.“ Nachdem ihn Prochazka wieder beruhigt hatte, gestand er noch, daß der König von Preußen den Aufstand leite und daß Graf Finkenstein und Graf Götzen ihn ver­trete, das k. k. Ministerium, wenn auch nicht offiziell, doch sicher davon unterrichtet wäre und ein österreichischer Prinz vom Hause59 davon informiert sei. Den Tag des Ausbruchs zu bestimmen, habe sich der König allein Vorbehalten. Prochazka schloß seinen Bericht mit der Bitte, „in Untertänigkeit sein gegebenes Wort gnädigst umsomehr zu berücksichtigen, als nur dasselbe das Mittel war, ein Geheimnis zu entdecken, dessen Wichtigkeit zu beurteilen dem Gefertigten nicht zusteht.“60 Das war also der Wissensstand von Wallis, bevor er die Weisung zur Erhebung der Umstände bei der Paßerteilung durch das Egerer Festungskommando gab! Vorgänge in Ansbach und Bayreuth Bereits fünf Tage nach ihrer Abreise am 17. März aus Asch in Richtung Ansbach schrieben die beiden Falkenhausen ohne Angabe, von wo der Brief geschrieben wur­de, dem Grafen Lanzac-Chaunac nach Karlsbad: „Bekannter als wir glaubten, wurde unser Projekt. Der französische Gouverneur61 glaubt die gemachte Finte nicht, unge­achtet die Offiziere wirklich das Geld erhalten haben.“ Er drohte gegenüber General Zweiffel damit, die beiden Falkenhausen und die beiden Lanzac-Chaunac, wenn sie über die Grenze kommen sollten, zu arretieren. Die Begeisterung, am geplanten Aufstand teilzunehmen, dürfte im Ansbach- Bayreuthischen doch nicht so groß gewesen sein, da sich die Falkenhausen darüber beklagten, daß niemand die Rollen übernehmen wollte, die noch auszuteilen waren. Aber sie waren doch guten Mutes: 57 Kreishauptmann Ritter Josef von Schüller. 58 Graf Wallis. 59 Gemeint ist wohl Erzherzog Johann. 60 AVA, PHSt 1269/ccc/1807, 1274/zzz/1807. 61 General Le Grand. 345

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