Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Friedrich Wilhelm Schembor „Das fernere Gespräch bis zur Abreise war gleichgültig, bis auf einen Umstand, den uns Bose, der überhaupt meistens das Wort führte, erzählt hat: Es sei nämlich erst vor wenigen Tagen ein ihm ganz unbekannter Mensch, der sich für einen ehemaligen preußischen Offizier ausgab, zu ihm gekommen. Ein gewisser Peine50, ehemals Redakteur der ,Bayreuther Zeitung’, habe ihn mit der Nachricht zu ihm gesendet, daß er, um dem Feinde im Rücken, nämlich im Fränkischen, eine Diversion zu machen, bereits einige tausend Mann heimlich in Bereitschaft habe. Die Waffen für sie habe er im Österreichischen erhalten, und sie würden ihm bereits heimlich zugeführt. Er sei im Stande, damit 6 000 Mann zu bewaffnen - So wie er mit diesen 6 000 Mann in Franken auftrete, würden sich in paar Tagen andere 6 000 anschließen, und mit diesen würde er sich vorderhand der Festungen Plassenburg, Forchheim, Rothenberg und Würzburg, wo er schon überall Einverständnisse habe, bemächtigen, dann seinen Zug gegen die Donau fortsetzen, sich mit den von allen Seiten ihm zuströmenden Landleuten, die sich selbst bewaffnen, Bayern und Schwaben gegen die Franzosen revolutionieren und auf diese Art die Befreiung Deutschlands vorbereiten. Er, Rittmeister von Bose, sei als ein weltkundiger und heldenmütiger Freund der guten Sache ausgewählt, an der Spitze dieser edlen Unternehmung zu stehen und diese 6 000 Mann zu kommandieren. Bose gestand ein, diese Mission für einen Scherz oder den Herrn Peine für wahnsinnig zu halten, den er übrigens gar nicht kenne. Da aber der Abgeordnete so ernsthaft sprach und vorgab, daß er ihm zum Behufe dieser Unternehmung einige tausend Stück Dukaten in einigen Tagen bringen könne, so wies er ihn mit den Worten ab, daß es ihm sein Charakter und seine Reputation nicht erlaube, an der Spitze eines Aufstandes zu sein. Herr von Gentz war über diese Unterredung äußerst entrüstet und sagte, daß er diesen Peine persönlich kenne, daß er ein alberner, exaltierter Mensch sei, daß dieser Mensch durch ein so albernes Vorhaben, das jeder vernünftige Mensch verwerfen müsse, zu den schädlichen Kompromittierungen Anlaß geben und unselige, der guten Sache am meisten nachteilige Spaltungen verursachen könne. Dieser Peine soll, wie ich weiter erfuhr, erst kürzlich in Wien gewesen sein und sich vor einigen Tagen noch in Asch aufgehalten haben.“51 Als zehn Tage später Hirschfeld als Kaufmann Halber durch Teplitz nach Magdeburg, Dessau, Halberstadt, Braunschweig und Pommern reiste, um Soldaten zu werben und Diversionen im Rücken und in den Flanken des Feindes zu machen, erfuhr Eichler wieder von Beins Plänen. Nach Hirschfeld hatte Bein im Bayreuthischen tatsächlich einen gewissen Anhang und 6 000 Gewehre seien nicht hinreichend, alle jene dort zu bewaffnen, die sich in den Bund einließen. Bein habe sich dort jedoch „äußerst eselhaft benommen und würde durch seine Albernheit mehr Böses als Gutes stiften“. Bein hatte Hirschfeld darüber informiert, daß er in und um Karlsbad diese Gewehre liegen habe, und daß es ihm in Wien erlaubt worden sei, sich in Böhmen Waffen zu verschaffen. Außerdem meinte Bein, die Sperre gegen Glatz und Schlesien würde demnächst aufgehoben werden. Hirschfeld hatte in Prag auch schon erfahren, daß man in Tschernoschin einen französischen Spion mit sehr viel Geld, der aber ein Deutscher war, arretiert hatte, und schloß aus den Umständen, daß es sich nur um Bein handeln könne. Die Verhaftung schrieb Hirschfeld ganz richtig dem ungeschickten Benehmen Beins zu.52 Vermutlich an Graf Finkenstein war ein französischer Brief Beins vom 16. März gerichtet. Gentz habe ihn entmutigt und meine, daß es nicht möglich sei, daß sein 50 Gemeint war Bein. 51 AVA, PHSt 1274/zzz/l 807, 246/1812, 1167/f/l 807, 1167/n/l 807; A s s i n g, Ludmilla: Tagebücher von Friedrich Gentz. Aus dem Nachlaß Vamhagen’s von Ense, 4 Bde. Leipzig 1873-1874, Bd. 1, S. 51, 211. 52 AVA PHSt 1274/W/1807. 342