Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 Vorhaben gelinge. Er, Bein, glaube aber mit fiinfundsiebzigprozentiger Wahr­scheinlichkeit, drei Plätze erobern zu können und daß dieser Erfolg die Bewohner mitreißen werde, so daß er dann 8 000 bis 10 000 Mann hinter sich haben werde, die diese drei Festungen zumindest einen Monat lang gegen eine viel größere Macht halten könnten und diese mächtige Diversion verdiene es, das Vorhaben zu wagen. Gentz meinte nur, Bein werde keinen einzigen Einwohner haben, der sich für ihn erhebe.53 Hirschfeld war in den ersten Apriltagen von Götzen nach Magdeburg gesandt worden, um die Stadt zu überrumpeln und Verbindungen mit Kolberg oder Stralsund herzustellen oder Aufstände im Harz und im Mansfeldischen zu erregen. Er berichte­te am 18. April, daß die Garnison in Magdeburg nur schwach wäre, sich aber in der Festung „ungeheure Vorräte von Lebensmitteln, Munition, Montierungen, Waffen und 300 Dienstpferde und auf der Zitadelle acht Millionen Taler befänden, daß sich in der Nähe 7 600 preußische Soldaten befänden und man daher, wenn einmal Magdeburg genommen sei, in acht Tagen eine Masse von 16 000 bis 18 000 Mann bilden könne. Hirschfelds Vater, General Hirschfeld, der auf der Zitadelle inhaftiert sei, habe trotz der Gefahr für ihn, dem Unternehmen seines Sohnes zugestimmf‘. Hirschfeld hatte aber nur drei Hauptleute, siebzehn Leutnante (darunter Alvensle- ben, Boltenstern und Bose) und einen Fähnrich zur Verfügung, und meinte, daß mindestens eine Mannschaft von 432 Mann zur Überrumpelung der Stadt nötig sei. Von dem zu erbeutenden Geld auf der Zitadelle versprach er seinen Mitkämpfern eine sorgenlose Zukunft. Aus Mangel an Waffen verschob sich jedoch die Ausfüh­rung immer wieder. Bose, der zu Götzen nach Glatz geschickt worden war, kam mit dem Befehl zurück, die Überrumpelung Magdeburgs mit den Operationen der Schweden und der Engländer, die an der Weser landen sollten, zu kombinieren. Inzwischen waren aber die Franzosen darauf aufmerksam geworden, daß Männer, die nichts mit Hirschfeld zu tun hatten, Leute für Götzen in Schlesien warben und Pferde kauften, weshalb sich Hirschfeld nicht in der Gegend von Magdeburg aufhal­ten konnte. Er war mit Bose und Boltenstem unterwegs und wir werden diese drei Männer noch später gemeinsam erleben. Die Engländer landeten nicht, der Aufstand in Westfalen, Hessen und Franken fand nicht statt und nach Magdeburg wurden mehrere Regimenter verlegt. Daher gab Hirschfeld den Plan einer Überrumpelung Magdeburgs auf und kehrte nach Glatz zurück.54 Die ersten Waren werden an der böhmisch-bayreuthischen Grenze erwartet Die Preußen bewegten sich in Böhmen ganz ungeniert, wurden aber von den öster­reichischen Behörden aufmerksam beobachtet. Ludwig Graf Lanzac-Chaunac war mit einem Paß, den der Stadtkommandant von Eger am 12. März ausgestellt hatte, und in dem es hieß, Lanzac-Chaunac käme aus der Gefangenschaft und wolle Graf 53 54 AVA, PHSt 1269/CCC/1807. Erinnerungen an Hirschfeld, S. 179-193. 343

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