Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Die österreichische Neutralität von 1807-1809 gewinnen werde, seine „englischen Waren“ ohne Visitation passieren zu lassen. Den Ascher Zolleinnehmer hatte er, wie wir aus dem Tagebuch wissen, bereits am 16. März durch ein Geschenk von 20 Dukaten bestochen, da er nicht wissen könne, ob er nicht den Zolleinnehmer zur weiteren Spedition seiner Waren gebrauchen könne und dieser den flüchtenden Einwohnern Bayreuths bereits große Dienste geleistet habe. Sein Bruder habe ihm geraten, nicht einen Prinzen an die Spitze des Aufstandes zu stellen, sondern einen einfachen Privatmann. Die Falkenhausen und die Lanzac-Chaunac seien einstimmig der Meinung, daß nur Beins Bruder dieser Mann sein könne, da nur dieser das Verhalten gezeigt habe, das ihn für alle Zeiten unsterblich machen werde! Da man außerdem der Volksmasse durch eine große Anzahl von Adjutanten imponieren müsse, werde er den Grafen Roggendorff und die zwei Husarenoffiziere, die in Wien Finkenstein helfen, anfordem.48 Böses und Hirschfelds Meinung zu Beins Plan Die beiden Falkenhausen reisten also, wie bereits erwähnt, am 17. März „vollkommen instruiert“ aus Asch ab und nahmen Wenzel Deville als Vertrauten Beins bis Hof mit, der Bose eine Nachricht brachte. Über das, was Deville bei Bose erreichte, sei hier der Bericht Eichlers aus Teplitz vom 26. März zitiert. Gentz hatte nämlich seine beiden Freunde von Buol49 und Bose zu einem Gespräch eingeladen, das am 25. März in Peterswalde bei Teplitz stattfand und an dem auch Eichler teilnahm. Gentz lobte sehr das standhafte Benehmen und die Anhänglichkeit Bosens an die „gute Sache“, worunter sie die Unabhängigkeit von Frankreich verstanden, und bezeichnete ihn als einen seiner trefflichsten Freunde aus Dresden. Gentz, Buol und Bose waren sich einig, daß sich die momentane Lage um nichts verbessern würde, wenn nicht eine Diversion im Rücken der Franzosen gemacht werde, d. h. „wenn nicht Österreich, dessen Macht jetzt die respektabelste sei und dessen Trappen vor Begierde brennen, ihren Ruhm wiederherzustellen, je eher, je besser auftreten würde. Hier behauptete Bose, daß, wenn nur 30 000 Österreicher in Franken einrückten, nicht nur die dortigen, sondern auch alle Rhein- und Donauprovinzen aufstehen, dem österreichischen Korps zulaufen und sich selbst vom französischen Joch befreien würden. Das nämliche sei der Fall in Sachsen, Preußen und Westfalen - überall erwarte man die Österreicher, als wenn es nicht anders wäre, als daß sie kommen müßten. Es würde gar zu keinem Kriege kommen, sondern Napoleon müßte - bekannt mit der Unzufriedenheit seiner Generale und seiner Armee - und abgeschnitten von allen Resourcen, alle Bedingnisse, selbst die Zurückgabe Tirols, Venedigs usw. unbedingt unterschreiben. Dieses müsse aber bald geschehen, bevor ein Separatfriede Preußens diesen günstigen Zustand, wie er jetzt ist, verändere.“ Man sieht, daß diese Herren durchaus, wie Bein und die preußischen Offiziere, der Meinung waren, daß man zum jetzigen Zeitpunkt etwas gegen Napoleon tun könne und solle. Über die Art der Realisierung gingen die Meinungen aber vollkommen auseinander, wie der weitere Bericht Eichlers zeigt: 48 AVA, PHSt 1269/CCC/1807. 49 Josef Freiherr von Buol war Gesandtschaftssekretär der österreichischen Botschaft in Dresden und vertrat Stefan Graf Zichy von Vasonykeö bei dessen Abwesenheit. 341