Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor sich wenigstens auf 10 000 Mann belaufen“, liegt. Man soll sich zwischen Thiers­heim und Wunsiedel sammeln, weil Bein die von ihm gekauften und einstweilen in Tschernoschin deponierten 2 000 Gewehre, 2 000 Mäntel, 2 000 Hosen, 2 000 Hüte, 2 000 Paar Schuhe, 4 000 Hemden, 300 Zentner Blei und auch Pulver nach Waldsas­sen bringen will. Hat man die obengenannten drei Festungen (Kulmbach ist bereits demoliert), so kann man sich mit 6 000 bis 8 000 Mann gegen eine große Übermacht im Fichtelgebirge halten. Das Gebiet zwischen Wunsiedel und Thiersheim müßte immer besetzt bleiben, weil es die Gebirgspässe beherrscht. Vom Fichtelgebirge geht zwischen der Saale und dem Main ein guter und wenig bekannter Weg über den Thüringer Wald bis nach Hessen, der als Kommunikationsstraße dienen solle. Es sei ein Corps unter dem Namen „die Rächer“ zu errichten. „Eine kurze dunkelfarbige Jacke mit dergleichen Pantalons, ein schwarzblechemer Helm, lange Stiefeln, das sei ihre Kleidung. Ein kurzer spitzer zweischneidiger römischer Degen mit einem ähnlichen Dolche, das sei ihre Waffe. Fahnen mit Emblemen von tie­fem Sinne, das sei ihr Panier. Ein sehr starkes Corps von Hautboisten mit Posaunen, das sei ihre Musik. Überfalle im Dickicht der Nacht und insbesondere die Gefangennahme Bonapartens, das sei ihre Bestimmung. Unsterblicher Ruhm, das sei der Gebliebenen Lohn, eine höchst ehrenvolle Pension, das sei der Entkommenen Lohn. Und die Anfüh­rung dieses Corps der göttlichen Rache, das sei der meinige.“ Auch über die Bildung eines Landsturmes machte sich Bein einige Gedanken. Falls das Gebiet zwischen Wunsiedel und Thiersheim Sammelplatz wäre, wäre Redwitz am bequemsten als Waffendepot geeignet, falls es leicht möglich wäre, von dort die Sachen bequem zu den Sammelplätzen zu bringen. Am selben Abend, an dem man aufbrechen wolle, solle man sich sammeln und zwar zwei oder drei Tage, nachdem die Sachen an einem Ort deponiert worden sind, von wo sie bequem zum Sammelplatz gebracht werden können. In seinem Brief, den er Götzen am 19. März aus Tschernoschin geschrieben hat, geht Bein genauer auf seinen Aufstandsplan ein. Demnach sollen die beiden Falken­hausen Bayreuth attackieren, in dem sich eine Garnison mit 300 Mann befinde. Die Offiziere Schulz und Berswordt greifen Rothenberg mit Hilfe der Männer des Krei­ses Erlangen an, die sich bei Eschenau versammeln, die Offiziere Kinsberg und Reitzenstein mit Männern aus Neustadt Forchheim, wo ebenfalls 300 Mann in Gar­nison liegen, außerdem aber auch 62 Kanonen und viele Gewehre und Munition vorhanden sind. Die Falkenhausen hätten diesen Platz, der leicht zu überrumpeln sei, erkundet. Sie attackieren mit den Studenten von Erlangen und 150 dort gemiete­ten Pferden und noch 50 dazugekauften Pferden Ansbach. Auch dem Major Redlich, der von Götzen an Bein gesandt worden war, war eine Mitwirkung am Aufstand zugedacht. Bein ließ auch ein Lokal zur Etablierung seiner Druckerei suchen und sandte die Jüdin Sara Löwy aus Tschernoschin nach Nürnberg, um unter anderem feines Wol­lenzeug mit Sternen zu kaufen, die er herausschneiden und vorläufig als Kokarden verwenden wollte. Wenn alle Waren eingetroffen sein werden und der Tag des Unternehmens be­stimmt sei, werde er alles nach Mühlbach senden, wo er den Zolleinnehmer dazu 340

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