Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 unabhängig machen. ,Unabhängigkeit’ ist daher das Losungswort, nicht JFreiheit', wir sind ferner Deutsche, nicht Patrioten. Was die Behandlung (des Volkes) betrifft, so wird die Natur derselben dadurch be­stimmt, daß wir alle, der Gebietende und der Gehorchende, von gleichem Range sind: wir sind ja alle miteinander Deutsche. Daher keine erniedrigenden Qualifikationen, kein ,Er’, keine Schimpfworte, keine entehrenden Prügel oder Fuchtel, aber desto strengere Strafen gegen den Schuldigen und Verbrecher, der nicht sich bloß oder einen einzelnen Stand, sondern das Ganze beleidigt und herabwürdigt. Laster sind nur insofern straffällig, als sie die Vernachlässigung der vaterländischen Pflichten veranlassen [...] Aber nicht so die Verbrechen - Tod ist ihre einzige Strafe.“ Der Bürger soll das Soldatentum vergessen, denn da denke er an Prügel und eine stehende Armee. „Nur wenn der Feind im Anmarsch ist und der Bürger zu dessen Vertreibung den Pflug, den Webstuhl usw. verlassen und zu den Waffen greifen muß, nur [...] dann [...] muß für seinen Unterhalt gesorgt (werden). [...] Das Vaterland von einem fremden Joche zu befreien, ist höchste Pflicht. Wer diese vemachläßigt, ist ein Staatsverräter, er muß hingerichtet, Gemeinden (müssen) geschleift werden. Sobald man daher, nachdem man den Boden einer Provinz betreten, den Fürsten und das Volk zum Beitritt und die Magi­strate und Gemeinden zur Mitwirkung aufgefordert hat, dieser Aufforderung aber nicht nachgelebt worden ist, so tritt die Nationale Gerechtigkeit ins Mittel und züchtigt die Hochverräter, wie sie es verdienen.“ Jeder muß zum Zeichen seiner Gesinnung eine Kokarde tragen, für die Bein eine kreisrunde Scheibe vorschlägt, die in 8 Sektoren geteilt, abwechselnd die Farben gelb, schwarz, weiß und schwarz zeigt und damit die Farben Österreichs und Preu­ßens als natürliche Schutzherren Süd- und Norddeutschlands wiedergibt. „Wir haben es nicht mit dem französischen Volke, sondern bloß mit dem Protektor zu tun. Daher muß das französische Gebiet für unverletzlich erklärt und dessen Betreten bei Todesstrafe untersagt werden, doch mit dem Vorbehalt der Reziprozität. Kommen Fran­zosen über den Rhein auf deutschen Grund und Boden, so gehen wir über den Rhein auf französischen Grund und Boden. Und hier wäre meine unmaßgebliche Meinung, daß wir, wenn französische Truppen z.B. bei Wesel herüberkommen, bei Mannheim, Worms und Speyer hinübergingen.“ Um sicherzustellen, daß rechtzeitig das Volk unter den Waffen steht, wenn der Feind im Anmarsch ist, müßte man bei Ermangelung von Telegraphen Stangen mit Pechtonnen aufstellen, die entzündet werden, und Sturmglocken läuten. „Es wird kein Angriff abgewartet, sondern angegriffen. So weit es möglich ist, wählt man dazu die Nacht, Regenwetter und wenn der Wind dem Feinde ins Gesicht bläst. Das Feuergewehr ist nur ein subsidiäres Verteidigungsmittel, die Hauptwaffe ist das Bajonett. Es wird kein Pardon gegeben. Warnungstafeln, an den Grenzen errichtet, unterrichten den Ankommenden von diesem Entschluß; auf ihnen steht geschrieben: ,Dem Freunde der Unabhängigkeit Germaniens geben die Deutschen traulich die Hand, ihrem Feinde den Tod. Hüte Dich also.’“ Nach diesen grundlegenden Überlegungen beschreibt Bein, wo der „erste Angriff1 stattfinden solle. Zunächst solle man die vier in und um das Bayreuther Gebiet gele­genen Festungen Kulmbach, Kronach, Forchheim und den roten Berg in seine Ge­walt bringen. Die letztgenannte wäre die wichtigste, weil sie die Straße aus der Oberpfalz nach Nürnberg beherrscht, in einer fruchtbaren Gegend und im Mittel­punkt aller der Fabriken mit ihren „Feuerarbeitern und Rußigen, einer außerordent­lich mutigen und entschlossenen Menschenrasse, die alle Büchsenschützen sind und 339

Next

/
Oldalképek
Tartalom