Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor fahren gegen seinen Vater in den Prager Zeitungen veröffentlicht werde, was Wallis jedoch ablehnte.43 Am 13. März waren nicht nur Hirschfeld und Wedel bei Bein eingetrofifen, son­dern auch Beins Eltern, die ihm „die genaueste Auskunft von der guten Stimmung der Einwohner Bayreuths“ gaben und ihm alle bedeutenden Personen nannten, auf deren „Beitritt“ er rechnen könne. Zwei Tage darauf schrieb Bein in sein Tagebuch: „Ich empfange den Segen meiner Mutter. Mein Vater richtet mit Inbrunst ein Gebet zu Gott, daß er mein Vorhaben gedeihen lassen möge. Wir trennen uns - vielleicht auf ewig - der Himmel geleite sie!“44 Am 16. März war Leutnant von der Berswordt vom Regiment Zweiffel bei Götzen in Wien erschienen. Er berichtete von einem Komitee, das in Franken befindliche Offiziere gebildet hätten, um für das Vaterland zu wirken. Sie hatten sich bereits mit Hessen und Westfalen in Verbindung gesetzt und wollten den Roten Berg, Forch- heim, Kronach, Plassenburg und Bayreuth, wo sich zusammen nicht mehr als 500 Mann feindlicher Truppen befinden sollten, gleichzeitig überrumpeln. Anfangs wollte man Nürnberg einnehmen, wo 6 000 Gewehre lagen, und dann nach Westfa­len, Hessen, Niedersachsen und dem Saalkreis Offiziere schicken, damit sich auf ein Signal hin alles erheben könne, ja man wollte sogar über das Erzgebirge die Verbin­dung nach Schlesien hersteilen. Götzen wollte einen deutschen Prinzen, offensichtlich Erzherzog Johann, an die Spitze der Bewegung stellen. Berswordt wollte zum König gehen, um um dessen Autorisation für den Aufstand zu ersuchen, um jedoch keine Zeit zu verlieren, gab Götzen den Offizieren von sich aus die Bevollmächtigung, setzte ihnen jedoch Bein, „welcher sich durch Erfahrung, Vorsicht und warmen Patriotismus so sehr ausge­zeichnet“, als Zivilkommissär an die Seite, der auch die Aufsicht über die Gelder führen sollte. Götzen teilte dies dem König mit dem Hinweis mit, daß er sich bis zum Einlangen königlicher Befehle die oberste Leitung Vorbehalten habe. Götzen wollte sogar, wenn er in Schlesien „ nicht sollte nützlich sein können“, selbst dorthin gehen. Berswordt fuhr also zu Bein nach Asch, bei dem er am 22. März erschien. Bein war über die Vollmacht entsetzt, die Götzen Berswordt mitgegeben hatte, „die nicht nur die durch die Konferenz mit Falk(enhausen) getroffenen Verabredungen zum Teil unwirksam macht, sondern auch das Ganze verwirrte, indem sie notwendig Kollisionen erzeugen mußte. Dies ließ ich dem v(on der) B(erswordt) handgreiflich füh­len und er war nicht nur so vernünftig, es einzusehen, sondern auch so echt, zu erklären, daß er jene Vollmacht als nicht gegeben betrachten und solche vor seinen Kameraden verheimlichen wolle“. Berswordt reiste am 23. 3. mit verschiedenen Besorgungsaufträgen Beins weiter.45 AVA, PHSt, 1269/ccc/1807, 185/1807, 1274/e/1807; HHStA, StK, Noten von der PHSt, Kt. 24, fol. 116 f. AVA, PHSt 1269/ccc/1807. Ebenda; Wiese-Kaiserswaldau: Götzen, S. 135 f.; H ö p fn e r: Krieg, 2. TI., 4. Bd., S. 305 f. 336

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