Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 in Tschernoschin abholte. Bein versprach Reuß für seine Erledigungen Lieferungs­möglichkeiten bei der preußischen Armee zu verschaffen oder sich zu bemühen, ihn bei der preußischen Armee unterzubringen. Er veranlaßte Reuß, einen „simulierten“ Kaufvertrag mit weit hinausgeschobenen Zahlungsterminen zum Kauf der Tscherno- schiner Post abzuschließen und den Postmeister durch ein Aufgeld zu locken, und es so einzurichten, daß, wie er im Tagebuch schrieb, seine englischen Waren einstwei­len bei ihm deponiert werden könnten. Im Brief vom 19. März an Götzen schrieb er, Reuß habe dem Postmeister 500 Gulden gezahlt, damit dieser ihm für eine Partie englischer Waren, die für Nürnberg bestimmt seien, ein Magazin vermiete. Daß die Wortwahl „englische Waren“, gemeint waren Waffen aus Österreich, sehr unglück­lich war, werden wir noch sehen.42 Weitere Aufstandspläne: Hirschfeld und Berswordt Am 13. März kamen Hirschfeld und Wedel bei Bein in Asch an. Bein notierte in seinem Tagebuch: „Ich halte den ersteren für sehr brauchbar in meinen Angelegenheiten und im Stande, im Halberstädtischen zu wirken. Ich lasse ihm daher von Feme wahmehmen, daß mein Aufenthalt in Asch nichts weniger als zwecklos für das allgemeine Beste ist. Er entdeckt sich mir. Ich rate ihm daher, nach Wien zu gehen, um dort von Graf von Götzen eine Vollmacht zu erhalten.“ Da aber Hirschfeld weder einen Paß nach Wien, noch einen nach Prag erhielt, ging er mit Beins Empfehlungen an Gentz in Prag und an Götzen in Wien nach Eger, um von dort nach Prag zu gelangen. Bein gab ihm noch ein Schreiben an die Königin mit, in dem er ihr die „Anhänglichkeit der Bayreuther an das königliche Haus lebhaft“ schilderte. Hirschfeld war aus Böhmen über Cottbus nach Braunschweig gegangen, weil er dort seinen Vater vermutete. Von dort flüchtete er, nachdem sein Vater arretiert worden war, und ging unter verschiedenen falschen Namen durch das Plauische nach Asch und Eger. In Prag angekommen, äußerte Hirschfeld gegenüber Wallis den Wunsch, nach Wien zu gehen, der dies aber zunächst ablehnte. Hirschfeld beharrte darauf, weil er vorhabe, Finkenstein „eine Sache zu eröffnen, welche von der größten Wichtigkeit sei, wovon Graf Finken- stein gewiß auch dem kaiserlich-österreichischen Ministerium Eröffnung machen würde, welche er, Hirschfeld, selbst bei Verlust seines Lebens einem anderen als Grafen Fin­kenstein nicht anvertrauen könne“. Daraufhin beauftragte Wallis den Stadthauptmann von Prag, Pässe für Hirschfeld und Wedel nach Wien auszustellen, freilich nicht ohne die entsprechende Überwa­chung der beiden zu veranlassen. Sumeraw informierte den Kaiser am 23. März davon, daß die beiden am 21. nachts zum preußischen Gesandten gekommen waren und schon am 22. nachts Wien als Kuriere nach Glatz verlassen hatten. Sumeraw vermutete richtig, daß diese Reisen mit der Vorbereitung zur Bildung eines Aufstan­des im Rücken der französischen Armee zusammenhing. In Prag wollte Hirschfeld erreichen, daß eine Rechtfertigung seines Benehmens gegen das französische Ver­AVA, PHSt 1269/CCC/1807, 1274/V/1807, 1274/zzz/1807. 335

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