Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor fei per Stafette an Le Grand ab. Da Bein zwei Tage nach Absendung dieses Paketes nichts aus Bayreuth hörte, sandte er ein ähnliches Schreiben per Extrapost direkt an General Zweiffel. Wieder zwei Tage später kam dann der an Zweiffel gesandte Bote zurück. Bein schrieb ins Tagebuch: Der Bote „ist so dumm gewesen, das Schreiben statt an den General Zweiffel an den General Le Grand abzugeben und letzterer ist frech genug gewesen, das Schreiben zu erbrechen und durch seinen Adjutanten an Lanzac-Chaunac schreiben zu lassen, daß sein General mit keinem Menschen korrespondiere, der sein Ehrenwort gebrochen, indem er ohne Er­laubnis nach Böhmen gegangen. Diese Antwort zeigt mir, daß Le Grand nichts vermu­tet“. Mit letzterem meinte Bein wohl, daß Le Grand von den Aufstandsvorbereitungen nichts wisse. Gleichzeitig kamen die beiden Leutnante Grafen Friedrich und Emst Falkenhausen39 (sie waren Brüder) von General Zweiffel in Ansbach, der tatsächlich den an ihn gerichteten Brief von Le Grand erhalten hatte und eine Liste von 28 höchst bedürftigen Offizieren sandte. Nun hielt Bein mit den Falkenhausen eine „Konferenz“ ab, auf der festgelegt wurde, daß die beiden Falkenhausen dem General Zweiffel 84 Dukaten für die 28 Offiziere zustellen sollten. Es wurde auch die Rollen­verteilung besprochen und was für Bein besonders wichtig war: „Sie erkennen mich auch für ihren Chef an.“40 Bein nach Tschernoschin Am 12. März bekannte Bein in seinem Tagebuch: „Alle Bemühungen, für meine Waren ein Haus zu finden, wo ich sie, ohne Verdacht zu erregen, unterbringen könnte, sind fruchtlos.“ Da traf er durch Zufall mit einem Wiener Bekannten zu­sammen. Johann Reuß war 29 Jahre alt, in Naszód in Siebenbürgen geboren, ein ausgetretener Unterleutnant, der später beim Obristen Baron von Wimmer, der ein Handelshaus in Prag besaß (wir werden noch von ihm hören), in Diensten stand, und sich mit Knoppernhandel beschäftigte.41 Er war Anfang des Jahres zusammen mit einem ehemaligen Regimentskameraden namens Wenzel Deville in Schärding auf­gefallen, da sie sehr viel Geld verschwendeten, sich bald als Spekulanten und bald als österreichische Emissäre ausgaben und überall das Gerücht über einen unver­meidlichen Bruch zwischen Österreich und Frankreich verbreiteten. Reuß hatte sich in Tschernoschin seßhaft gemacht und wollte die dortige Post kaufen. Er hatte Bein unter dem Namen Hagen in Wien im Gasthof „zum römischen Kaiser“ kennengelernt und für ihn einige Geldgeschäfte abgewickelt. Zuletzt war er von Bein mit der Versendung von Geld nach Bayreuth für die dort notleidenden preußischen Offiziere beauftragt, konnte diesen Auftrag jedoch nicht selbst ausfiih- ren, weil ihn die Mieser Polizei daran hinderte, so daß ein Ansbacher Jude das Geld 39 Die Falkenhausen leiten ihre Herkunft von der morganatischen Verbindung des Markgrafen Karl Wilhelm Friedrich zu Brandenburg-Ansbach mit der Falknerstochter Elisabeth Wünsch ab. Die Kinder aus dieser Verbindung wurden 1747 in den Freihermstand erhoben und erhielten den Namen von Falkenhausen. 40 AVA, PHSt 1274/zzz/1807, 1269/ccc/1807; Lionnet: Erhebungspläne, S. 52, 84. 41 Knoppern sind die Gallen der Gallwespen, die als Gerbstoff verwendet wurden. 334

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