Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Die österreichische Neutralität von 1807-1809 vorher die Zustimmung ihres Königs erwirkt zu haben. Die Franzosen hatten nämlich laut Lanzac-Chaunac gleich nach der Auflösung des Regimentes Zweiffel den Offizieren versprochen, die Gagen wie ehedem auszuzahlen, hätten dies aber nicht eingehalten. Lanzac-Chaunac schlug am 7. Jänner Finkenstein vor, 1 500 bis 2 000 ranzionier- te Infanteristen und Husaren durch Böhmen hindurch nach Preußisch-Schlesien zu bringen, um dort den Kampf gegen die Franzosen fortzusetzen. Der König stimmte zu und wies Finkenstein an, Lanzac-Chaunac und seine Regimentskameraden mit Geld für die Ranzionierten zu versorgen, weshalb vermutlich Götzen Lanzac- Chaunac 42 000 Taler zukommen ließ. Die Brüder Lanzac-Chaunac waren am Tag der Ankunft Beins in Asch nicht anwesend, weil sie am Vortag nach Bayreuth gegangen waren, um sich persönlich beim französischen Gouverneur einzustellen und das Gerücht, sie seien zur Armee des Königs abgereist, zu zerstreuen. Da sie sich jedoch in Bayreuth nicht sicher fühlten, kehrten sie um und kamen noch am 9. März nach Asch zurück, wo der ältere der beiden Brüder, August, sich mit Bein traf, und ihm auch erzählte, daß nur wenige Offiziere die königliche Unterstützung erhalten hätten, worüber sich Bein sehr wunderte, und daß es schwer wäre, die bedürftigen Offiziere zu unterstützen, wenn sie nicht im Bayreuthischen frei reisen könnten. Bein wollte sich wegen der Gerüchte, die um die Brüder Lanzac-Chaunac entstanden waren, von Asch wegbegeben, da er aber erfahren hatte, daß Friedrich Graf Falkenhausen noch in Ansbach war, auf den er warten wollte, und er überdies die Waren, die, wie er in seinem Tagebuch schrieb, zum Teil schon unterwegs sein mußten, unterzubringen hatte, wartete er noch einige Tage in Asch. Dem Postmeister aber erzählte er, um den Verdacht zu entkräften, daß er mit den Aufstandsplänen der Lanzac-Chaunac etwas zu tun habe, er habe den Auftrag, die Lage der durchreisenden preußischen Offiziere zu erkunden, von denen die Lanzac-Chaunac dem preußischen Gesandten geschrieben hätten. Bein suchte auch eine Vertrauensperson, die im Bayreuthischen Ranzionierte unterstützen könnte und der er Geld dafür anvertrauen könnte. Es wurde ihm Oberförster Schilling in Selb genannt und dieser wirkte dann auch tatsächlich in diesem Sinne. In seinem Tagebuch schrieb Bein am 10. März, er werde, sobald er Depots für seine Waren gefünden habe, nach Bayreuth reisen. Er scheint jedoch bis zu seinem gescheiterten Aufstandsversuch nie in Bayreuth gewesen zu sein und hatte sich, mit Ausnahme von möglichen Ausflügen nach dem nahen Hof, immer im neutralen Österreich aufgehalten. Zwei Tage nach seiner Ankunft in Asch ließ Bein die Brüder Lanzac-Chaunac einen Brief an den französischen Generalgouverneur der Provinz Bayreuth, General Le Grand, schreiben, des Inhalts, der König habe, da sie ihn über die große Dürftigkeit der Offiziere unterrichtet hätten, Geld zur Verteilung geschickt. Sie hätten dies tun wollen, seien jedoch aus Bayreuth geflohen, weil sie sich nicht sicher fühlten und wollten ihren Auftrag nun an General Zweiffel übertragen, wollten aber vorher Le Grands Zustimmung einholen und schickten ein Paket mit dem Schreiben an Zweif333