Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

3. Aufstandsversuch in Ansbach-Bayreuth Graf Götzen in Wien Am 20. Jänner 1807 der Zwischenfall in Niederlipka, am 8. Feber die Festung Schweidnitz gefallen, am 11. Feber der Übertritt des Fürsten von Anhalt-Pleß nach Österreich - so sah es aus, als Götzen vom König nach der Schlacht von Preußisch- Eylau, dem einzigen Lichtblick, da erstmals Napoleon keinen klaren Sieg errungen hatte, am 13. Feber beauftragt wurde, nach Wien zu reisen, um Österreich für einen Kriegseintritt zu gewinnen. Gentz teilte Götzen mit, daß er am Wiener Hof nicht erwünscht sei, Götzen reiste aber trotzdem. Des Kaisers Kommentar: „Die Ankunft des Grafen Götzen ist eben nicht angenehm; da er aber schon da ist, so müssen wir ihn anhören.“ Götzen langte am 17. Feber in Wien ein und erhielt am 22. Feber eine Audienz beim Kaiser, der sich „vorläufig“ nicht zum Kriegseintritt entschließen konnte. Ge­genüber General v. Zedtwitz erklärte der Kaiser, er werde so handeln, daß der König von Preußen gewiß mit ihm zufrieden sein könne. Stadion empfing Götzen mehr­mals und erklärte, daß er „gewiß hoffe, daß Österreich bald Gelegenheit haben wer­de, auf eine oder die andere Art zum allgemeinen Besten mitzuwirken“. Ursache, daß diese Versprechungen des Kaisers nicht eingehalten wurden, könnte sein, daß Napoleon von den Bemühungen Preußens in Österreich und den Kaufabschlüssen Götzens in Wien erfahren hatte und daher die vorgesehenen Waffenlieferungen, die wohl eindeutig gegen die erklärte Neutralität verstoßen hätten, unterbunden wurden. Erzherzog Karl war jetzt ganz entschieden gegen einen Krieg, Erzherzog Johann hingegen von der Notwendigkeit der augenblicklichen Teilnahme Österreichs über­zeugt” Bein sah Götzens Gespräche in Wien als äußerst erfolgreich an. Ein Unbekannter berichtete in einem versiegelten Brief, der interzipiert worden war, daß er von Bein erfahren habe, daß „Götzen in Wien außerordentlich gut aufgenommen worden ist, bei dem Kaiser und Erzherzog R(udolf?) häufige und lange Audienzen hat und mit Stadion sehr gut steht und [...] daß er [...] den Erzherzog Johann an der Spitze eines deutschen Aufstandes zu sehen wünscht und ihm darüber Eröffnungen gemacht hat, die nicht verworfen sein sollen, ob­gleich er sich bis jetzt in nichts einlassen könne“. Gleichzeitig gab dieser Unbekannte aber auch eine bemerkenswerte Charakteristik Beins, als er schrieb, er habe ihn in seiner vorigen Lage und stets als einen Mann von richtigen Grandsätzen, doch nicht von den Fähigkeiten, die seinem jetzigen Wirkungskreis angemessen wären, kennengelernt. Bein scheine Aufträge zu haben, Friedrich Wilhelm Schembor d a w i n d, Franz Joseph Adolph: Der Feldzug des Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig und sei­nes schwarzen Corps im Jahre 1809. Darmstadt 1851, S. 13, 17. Hopfner: Krieg, 2. TL, 4. Bd., S. 305-309; Wiese-Kaiserswaldau: Götzen, S. 95, 134-137; Fournier: Historische Studien, 2. Reihe, S. 154-156; Wertheimer, Eduard: Geschichte Oester­reichs und Ungarns im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, Bd. 1. 2. Leipzig 1884-1890, Bd. 2, S. 171. 330

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