Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Die österreichische Neutralität von 1807-1809 etwas zu unternehmen, wovon er, wenn es bloß für Preußen und durch Preußen geschieht, nichts (er)hoffe. Hier sieht man typische Beinsche Übertreibungen. Er spricht von häufigen und langen Audienzen Götzens beim Kaiser, davon hatte Götzen aber dem König nichts berichtet. Auch daß Götzen mit Stadion „sehr gut stand“, muß bezweifelt werden. Wertheimer schreibt unter Bezugnahme auf einen Vortrag Stadions vom 9. März 1807, Götzen habe Stadion kaum zu Wort kommen lassen und hätte ihn gerne „zu einer Äußerung verleitet, die wie eine Art Zustimmung hätte ausgelegt werden können. Aber Stadion blieb kurz und gemessen in seinen Antworten“.3e Hatte Götzen noch am 8. März aus Wien an seinen König geschrieben, er könne „die Hoffnung des Beitritts“ zum Krieg „von hiesiger Seite nicht aufgeben, nur könnte es sich wohl etwas verzögern“, er habe nach allen Teilen Deutschlands Kundschafter ausgesandt und erfahren, daß in ganz Franken, Niedersachsen, Westfalen und selbst in Bayern die Gärung groß sei, so kann man den geringen Erfolg Götzens daran ersehen, daß er ihm am Tage seiner Abreise von Wien mitteilte, daß er „glaube“, daß man österreichischerseits nicht mehr den Ankauf von Waffen und sonstigen Bedürfnissen verwehren und vielleicht sogar die Remontepferde zurückgeben werde. Im früheren Brief an den König hatte Götzen geschrieben, daß durch das Verfahren der Grenzbehörden die meisten Pferde verkauft und verschleudert worden seien, verschwieg aber, daß in Nachod überhaupt nur 272 gekauft wurden, weil die meisten Pferdebegleiter desertierten und ihre Pferde selbst verkauften. Außerdem war nicht das „Verfahren der Grenzbehörden“ an der „Verschleuderung“ schuld, der Kauf um einen niedrigen Preis erfolgte vielmehr, wie wir gesehen haben, aufgrund einer Anordnung des Kaisers höchstpersönlich. Folgerichtig wurde auch die später von Finkenstein verlangte „Rücküberlassung“ der verkauften Pferde abgelehnt. Götzen reiste am 18. März abends in Wien ab und langte wegen der „unglaublich schlechten Wege“ erst am 21. März an der schlesischen Grenze bei Grulich an, wo er vom österreichischen Grenzkommando erfuhr, daß die Franzosen in der Grafschaft Glatz einmarschiert waren, weshalb er sich von Glatz ein Kommando entgegenschicken ließ.37 Bein soll nach Bayreuth Götzen beschloß, mit Aktionen in Ansbach und Bayreuth zu beginnen, das er schon aus dem Jahre 1792 kannte. Er sandte in den ersten Tagen seines Aufenthaltes in Wien Bein mit Instruktionen und einem Teil der Gelder, die ihm Finkenstein bereitwillig zur Verfügung stellte - im ganzen 250 000 Taler - , nach Bayreuth, um dort die Bewaffnung und Bekleidung von 2 000 Ranzionierte zu bewerkstelligen. „Gelingt es, wie ich hoffe, den Roten Berg, Kulmbach und Forchheim zu nehmen, so AVA, PHSt 1269/ccc/1807, 1233/h/1807; HHStA, StK, Noten von der PHSt, Kt. 24, fol. 85 f.; Wertheimer: Geschichte, Bd. 2, S. 171. Wiese-Kaiserswaldau: Götzen, S. 98-100, 132-138; Lionnet: Erhebungspläne, S. 54, 82. 331