Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Die österreichische Neutralität von 1807-1809 Hirschfelds Streifzüge Am 20. Feber waren sechs preußische Husaren und ein Korporal von österreichischem Militär eskortiert in Friedland angekommen. Sie sagten, sie seien versprengt worden, hätten ihre Rosse verkauft und wollten nicht mehr in ihren Dienst zurückkehren. Später kamen noch Leutnant Eugen von Hirschfeld und Kornett Graf von Wedel nach. Eugen von Hirschfeld, 1784 geboren, dessen Vater General und Adjutant beim Herzog von Braunschweig war, begann seine Laufbahn bereits im Alter von 11 Jahren beim Herzog als Junker, nahm an der Schlacht bei Auerstädt teil, wurde in einem Gefecht am Kopf verwundet, bei Lübeck gefangengenommen und wieder freigelassen. Er war in Kolberg beteiligt, aus Ranzionierten eine Schwadron zu bilden, sammelte durch ranzionierte Blücher-Husaren eine Freischar, mit der er in Pommern und der Neumark umherzog. Er hatte bei Freienwalde in Pommern den Franzosen 32 Kanonen abgenommen und die Bedeckung von 400 Grenadieren zusammengehauen, bei Balz hat er 15 000 für die polnische Insurrektion bestimmte Gewehre erbeutet, die er in die Warthe warf, bei Krossen überfiel er ein bayerisches Kavalleriedepot und versenkte vier Schiffe mit Kanonenkugeln und Bomben, bei Züllichau vernichtete er ein neuformiertes polnisches Kavallerieregiment und bei Grünberg in Schlesien erbeutete er 57 Geschütze, die zur Belagerung von Breslau bestimmt waren. Hirschfeld und Wedel wurden 1807 mit dem Orden pour le mérite ausgezeichnet. Die Franzosen hatten, weil Hirschfeld im Rücken ihrer Armee so manchen Streich ausführte, auf seine Ergreifung eine Belohnung von 150 Louisd’or ausgesetzt und mußten auch verschiedene militärische Maßnahmen ergreifen, um die Oderübergänge zu sichern. Am 15. Feber traf Hirschfeld mit 18 Mann in Sagan ein, wo sich ihm einige Ranzionierte anschlossen. Er überfiel die dort befindlichen Bayern, nahm den Hauptmann fest und ließ den Rest schwören, nicht mehr gegen die Preußen zu kämpfen. In der Nacht vom 19. auf den 20. Feber wurde das Streifkorps bei Pénzig, nördlich von Görlitz, festgenommen. Die nach Böhmen gekommenen sechs Husaren, der Korporal, Hirschfeld und Wedel waren durch Flucht entkommen. Letztere waren also nicht, wie sie angaben, Deserteuren nachgesetzt. Der mit der Erhebung betraute österreichische Beamte bemerkte, daß Hirschfeld „etwas ruhmsprüchig“ zu sein scheine. Nach einigem Hin und Her wurde die Gruppe über die Grenze gewiesen. Eugen von Hirschfeld war neben Ferdinand von Schill tatsächlich einer der wenigen, der durch seine Taten dem Feinde großen Schaden zufugte und vielleicht in der Lage gewesen wäre, einen Aufstand zu entfachen. Wir werden aber sehen, daß er von einem gefaßten Aufstandsplan wegen dessen Undurchfuhrbarkeit zurücktrat. Beide, Hirschfeld und Schill, bezahlten jedenfalls ihren Mut mit dem Leben!34 H ö p fn e r: Krieg, 2. TI., 4. Bd., S. 218-221; L i o n n e t: Erhebungspläne, S. 84; Erinnerungen an Eugen und Moritz von Hirschfeld aus Deutschland und Spanien. Zusammengestellt von einem 80jährigen Veteranen des Yorkschen Corps vom Leib-Regimente. Berlin 1863, S. 1-3; AVA, PHSt 185/1807; S chnei329