Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor scher Seite gestohlenes Ulanenpferd an Dritte verkauft worden sei und daß ein Ulane einem Juden, nicht einem preußischen Offizier, ein Pferd gestohlen hatte, wofür er bestraft worden war. So schließt der Bericht des Erzherzogs, der die Grundlage für das Promemoria Stadions an die preußische Gesandtschaft vom 22. April war, mit der Feststellung, „daß gegen das Benehmen der diesseitigen Behörden in der vorlie­genden Angelegenheit mit gutem Recht nichts zu erinnern sei“.31 Stößels „Hin- und Herziehen“ Dem Major Stößel und den mit ihm Geflüchteten wurde kein Paß, sondern eine vom Militär gefertigte Marschroute außer Landes gegeben. Über eigenen Wunsch wollte er über Leutomischl ins Ausland reisen. Einige Tage später kam jedoch Stößel mit einem Attest eines österreichischen Militärunterarztes, daß er sich durch Sturz mit dem Pferd seine Geschlechtsteile „sehr beschädigt“ habe, und ersuchte, da er deswegen nicht den weiten Umweg über Leutomischl ins Ausland machen könne, um eine kürzere Marschroute ins Glätzische, die ihm gegeben wurde. Kreishaupt­mann Weyrother allerdings bemängelte dabei, daß, wenn Stößel nicht nach Leuto­mischl reisen konnte, er auch nicht über Nachod nach Glatz reisen konnte, Wallis ließ es aber wegen der befürchteten Publizität auf sich bewenden, so daß Stößel am 27. Feber wieder in Glatz eintraf. Prompt machte er sich daran, ein neues Freikorps zu errichten, requirierte Waffen und Pferde, und wollte solche auch in Österreich aufkaufen. Kreiskommissär Erben von Braunau wollte diesen „Unfug“ vereiteln und vereinbarte mit dem Militär und der Kordonsmannschaft, daß jeder, der beim Kauf oder Verkauf erwischt werde, arretiert werde. Wallis schärfte dem Königgrätzer Kreishauptmann am 5. März ein, „größte Sorgfalt aufzubieten [...], damit weder Pferde noch Waffen über die Grenze ausgeführt werden“ und dies bestätigte auch der Kaiser auf einen diesbezüglichen Vortrag Sumeraws vom 10. März. Kollowrath-Krakowsky informierte am 6. März Erzherzog Karl, daß Stößel „ein äußerst intriganter und ein ohne Effekt viel sprechender Mann ist, der, um seine Habsucht zu befriedigen, sich einen Namen und Renommé zu machen, nichts unversucht läßt, um den hierländigen Neutralitätskordon zu kompromittieren“ und gab den Auftrag, falls Stößel an die Grenze komme, „ihm bestimmt zu erklä­ren, daß man sein Hin- und Herziehen keineswegs gleichgültig ansehen“ werde. Erzherzog Karl begrüßte diese Maßnahme. Mannschaften, die nach Österreich kä­men, seien Waffen und Pferde abzunehmen. Sumeraw bestätigte Wallis am 23. März nochmals, daß Ranzionierten32 und Versprengten der kriegsführenden Mächte die Rückkehr zu ihren Fahnen gestattet ist, soferne sie keine Pferde, Waffen, Armaturs­sorten oder sonstige Kriegsgeräte mitnehmen.33 Hopfner: Krieg, 2. TI., 4. Bd, S. 180-184; KA, AFA, Kt. 1378, 1807/2/1 1/2, 6, 7, 9; Wiese­Kaiserswaldau: Götzen, S. 130 f., 139, 172-182; HHStA, StK, Noten von dem HKR, Kt. 177, fol. 715 f„ 741 f„ 96 f.; HHStA, StK, Preußen Korrespondenz 1807, Kt. 90, fol. 30-48 Ranzionierte sind auf Ehrenwort, nicht wieder die Waffen zu ergreifen, entlassene Kriegsgefangene AVA, PHSt 1233/171807, 1268/a/1807, 1268/b/1807 328

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