Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien
Friedrich Wilhelm Schembor der Armee so wesentlich herabgesetzt wird. Aus solchen Ereignissen kann man beurteilen, ob sich die Herren Generals und Stabsoffiziers mit dem Geist, mit der Bildung und der Disziplin ihrer Truppen beschäftigt haben; und leider habe ich hierüber noch wenig beruhigende Beweise erhalten. Die Entschuldigung, daß nur wenige Mannschaft zur Begleitung dieser Pferde verwendet werden konnte, ist durchaus imbefriedigend, es wären auch hiezu nur wenig erforderlich gewesen. Nach allen bisher getroffenen Einleitungen kann von der Stellung und Evidenthaltung der bereits angezeigten 1470 Stück Pferde auf keinen Fall abgegangen werden. Der Herr Feldzeugmeister werden hierüber die strengste Untersuchung ungesäumt veranlassen und wenn die benannte Zahl nicht ausgewiesen werden kann, so haben die Schuldtragenden dem Aerario jene Pauschsumme zu ersetzen, über welche man mit der preußischen Regierung wegen Überlassung dieser Pferde sich ehestens einverstehen wird. Es ist imangenehm, daß ich so oft gezwungen werde, die Generalkommanden in ihrem Wirkungskreis mit jener Tatkraft zu supplieren, mit welcher sie selbst unnachsichtlich Vorgehen sollten.“ Was war aber wirklich geschehen? Stutterheim meldete, daß sich von den bei Barzdorf und Schönau herübergekommenen Preußen auf dem Weg nach Nachod, da ihnen nur einige Husaren zur Bedeckung mitgegeben werden konnten, ein großer Teil „verloffen“, sich in den diesseitigen und jenseitigen Waldungen zerstreut hat und nur ein Drittel in Nachod ankam. Hiller hatte gemeldet, daß von den avisierten 1 400 Pferden nur 128 elende, äußerst fehlerhafte in Czernilow angekommen seien. Das roch nach einer ungeheuren Schlamperei und Sorglosigkeit. Bei den Meldungen an Erzherzog Karl hatte man aber den Fehler begangen, nicht zu erwähnen, daß die angegebenen Zahlen nur Schätzungen waren. Den Militärs muß man zugutehalten, daß die böhmisch-glatzische Grenze entlang bewaldeten Bergkämmen verläuft und es Hochwinter war. Am 22. Feber stellte Kollowrath-Krakowsky richtig, daß nicht 1400, sondern „kaum die Hälfte“ an Pferden über die Grenze gekommen wäre, und erklärte, die Zahl habe nicht richtig angegeben werden können, weil der Übertritt an verschiedenen Stellen erfolgt sei. Zwei Tage später entschuldigt auch Kollowrath-Krakowsky gegenüber Erzherzog Karl das Benehmen des österreichischen Militärs, „da schon an der äußersten Grenze und in der ganzen dortigen Gegend sich häufig Juden und sonstige Spekulanten mit Konventionsmünze in der Hand befunden und den Preußen ihre Pferde abzukaufen alle möglichen Gelegenheiten gesucht und benützt haben sollen“. Die Tatsache, daß Stadion am gleichen Tag an Grünne über die Vorfälle schrieb und sie ebenfalls verurteilte, aber auch frag, ob das Ärarium die 1 400 Pferde und 200 Gewehre „nach der ganzen Strenge des Rechtes sich ohne allen Ersatz zueignen solle“ oder man unparteiisch den Wert schätzen solle, um „seinerzeit darüber zu verfugen, was rechtens sein“ werde, und Stadion am 27. Feber das schon früher erwähnte Promemoria des preußischen Gesandten Grafen Finkenstein, die Anzeige von Graf Götzen und einen Rapport des preußischen Leutnants von Prittwitz dem Kriegsministerium mit der Bitte um Äußerung vorlegte, damit er, Stadion, dem preußischen Gesandten antworten könne, provozierte ein drittesmal ein Donnerwetter Erzherzog Karls. „Der Herr Feldzeugmeister werden daraus die unangenehme Verwicklung ersehen, welche aus dem willkürlichen Benehmen unserer Kordon326