Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor Francois Josef Lefebvre verlangte, daß er ungesäumt über die Grenze zurückkehre. Lefebvre wandte ein, er sei berechtigt, Feinde zu verfolgen, und nachdem dieser Einwand nicht fruchtete, verlangte er wenigstens die Auslieferung des Gewehrs und der Pferde, und da ihm Vlasits auch dies verwehrte, gab er den Befehl zum Rück­marsch. Stößel war mit dem Rest seines Korps ins preußische Tuntschendorf mar­schiert. Vlasits beklagte sich im Schreiben, daß er bei „so weitschichtigem Terrain und so schlechten Wegen“ nicht so schnell Reserven und Verstärkungen heranbrin­gen könne. Gottesheim schrieb darauf an die Kommandanten der beiden kriegfüh­renden Truppen und beschwerte sich nachdrücklichst über die Neutralitätsverletzung und meldete dem kommandierenden General in Böhmen, Feldzeugmeister Karl Grafen Kollowrath-Krakowsky, daß bei Barzdorf 1400 Mann Kavallerie und 200 Mann Infanterie mit zwei Kanonen die Grenze überschritten hätten, und, nachdem sie die Waffen abgelegt hätten und die Kanonen an die Grenze gebracht und preis­gegeben worden wären, nach Wirawa transportiert worden seien. Der anwesende Kreishauptmann von Königgrätz, von Weyrother, hatte es abgelehnt, die Pferde zu übernehmen. Auf die Beschwerde von Gottesheim antwortete General Dominique Josef Van- damme, daß er seinen Truppen Grenzverletzungen auf das Schärfste untersagt habe und eine Übertretung strenge bestrafen werde. Gleichzeitig informierte Vandamme, daß er nun entlang der Grenze nach Glatz marschieren werde, um es zu belagern und tatsächlich konnte man am 21. Feber morgens im österreichischen Nachod aus der Gegend von Glatz Kanonendonner hören. General-Feldwachtmeister Philipp Graf Grünne vom Hofkriegsrat verständigte be­reits am 18. Feber Stadion davon, daß eine Abteilung von einigen tausend Preußen, die von Bayern und Württembergern von allen Seiten bedrängt worden waren, sich auf die österreichische Seite gerettet hatten. „Unsere Kordonsposten haben den Feh­ler begangen, obwohl in der Eile kaum ein paar hundert Husaren sich zum Wider­stand hätten vereinigen können, daß sie - so schwach sie auch waren - es nicht auf Tätlichkeiten haben ankommen lassen“, was nachdrücklich geahndet werde. Grünne frug nun Stadion, ob es Tätlich sei, dieser Ahndung durch Kundmachung im Armeebefehl Publizität zu geben, wobei Oberst Vecsey öffentlich mit Arrest be­legt werden würde, oder ob die Sache in der Stille behandelt und künftig kräftigere Maßregeln empfohlen werden sollen. „Das erstere wäre vielleicht zweckmäßiger, wenn spätere Reklamationen von seiten Napoleons und seiner Alliierten nachfolgen sollten, das zweite, wenn man hoffen könnte, daß Bayern und Württemberger diese gleichsam verirrten Truppen aus dem Gesicht verloren hätten.“ Wegen des schon erwähnten Übertrittes bei Barzdorf wandte sich Kollowrath- Krakowsky an den in Prag anwesenden Erzherzog Karl. Grünne vom Hofkriegsrat ersuchte auch Stadion um eine Stellungnahme und gab von sich aus zwei Möglich­keiten an, was mit den abgenommenen Waffen und Pferde geschehen sollte. Nach strengen Neutralitätsgrundsätzen sollte jede fremde Truppe, die die Grenze bewaff­net überschreitet, feindlich behandelt werden, d.h. die Leute seien Kriegsgefangene und ihre Waffen und Pferde gehörten dem Ärarium. Behandelte man sie dagegen als 324

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