Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor Gebiet betreten, so sind selbe zu entwaffnen und einstweilen als Deserteure zu be­handeln.“ Fürst von Anhalt-Pleß begab sich am selben Tag, an dem die obige Anordnung erlassen wurde, ins österreichische Nachod und wollte, wie er sagte, nach Troppau gehen, um von dort auf die Erhaltung der Festungen Kosel, Neiße und Glatz ein­zuwirken, in Wirklichkeit war es aber wohl eine Flucht. Er erhielt, um keine Kom­plikationen mit den Franzosen hervorzurufen, entgegen seinem Wunsch, sich als Privatmann in Troppau niederzulassen, von Wien Chrudim als Aufenthaltsort zu­gewiesen. Major Stößel übernahm das Hessische Korps und sollte zur Rettung der Festung Schweidnitz über Wünscheiburg in die Gegend von Friedland marschieren und sich von dort mit der Infanterie nach Schweidnitz, mit der Kavallerie aber nach Kolberg, Sachsen oder Franken begeben! Als letztes Rettungsmittel war ihm der Übertritt nach Böhmen gestattet.24 Er marschierte „unter dem Schutz einer sehr finstern Nacht in solcher Stille durch einen kleinen Teil Böhmens, daß die Kolonne, obgleich Braunau nur etwa 600 Schritt links liegen blieb, ohne vom kaiserlichen Militär be­merkt zu werden“, ins preußische Göhlenau bei Friedland/Schlesien gelangte. Ver­schiedenen nachkommenden Teilen wurde vom österreichischen Militär der Durch­marsch durch Böhmen verwehrt. Das Wetter war äußerst ungünstig: die Stößelsche Truppe mußte durch meterhohen Schnee marschieren und Gießbäche überqueren. Es kam zu verschiedenen kleineren Gefechten. Ein Teil zog sich nach einem langdau- emden Gefecht auf den Höhen vor dem böhmischen Dorf Schönau zurück, wo es noch zwischen den Häusern zum Gefecht kam, bis österreichische Husarenoflfiziere erschienen. Die preußischen Abteilungen verkauften im Böhmischen die Waffen und Pferde. Major Stößel trat, nachdem er erfahren hatte, daß der Feind von allen Seiten zum Angriff vorrücke und daß die eigenen Leute truppweise nach Österreich überträ­ten, ebenfalls bei Braunau nach Österreich über. Auf Zureden der österreichischen Bewohner desertierte die Masse der Reiter, um die Pferde auf eigene Rechnung ver­kaufen zu können. Major Stößel und mehrere Offiziere mußten Braunau sofort ver­lassen. Auf dem Weg der Kolonnen nach Königgrätz waren unzählige Landleute versammelt, die den Soldaten für 5, 10 oder 15 fl. die besten Pferde abkauften. Die Offiziere kehrten allmählich nach Glatz zurück. Der preußische Gesandte Finkenstein legte die Forderang Götzens nach sofortiger Rückgabe der Waffen, Montursstücke und Pferde, wobei Götzen behauptete, daß es schon früher zwischen Österreich und Preußen ein Übereinkommen gegeben habe, daß die Waffen, Pferde und Zeuge von Desertierten zurückgegeben würden, am 25. Feber Stadion vor. Selbst wenn das Übereinkommen existiert hätte, wäre es nicht anzuwenden gewesen, da die Massen an Soldaten, die mit ihren Führern übertraten, wohl kaum als Deserteure anzusehen waren! KA, AFA, Kt. 1378, 1807/2/13; Hopfner: Krieg, 2. TL, 4. Bd., S. 172 f., 184; KA, KMA 1807/2/172. 322

Next

/
Oldalképek
Tartalom