Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Die österreichische Neutralität von 1807-1809 „Im Bayreuthischen hat noch kein Aufstand stattgehabt. Die Stimmung des Volks ist zwar fürchterlich, doch die Vereinigung fehlt. Es herrscht ein allgemeines Mißtrauen unter allen, nur im Falle der Flucht der Franzosen läßt sich mit Gewißheit ein Aufstand denken.“17 Der preußische Gesandte in Wien, Graf Finkenstein, schloß sich in einer Depesche an den Kaiser der Meinung Götzens an. Er befürwortete auch den Vorschlag eines Mannes namens Breczka, der den Sitz des französischen Kommandos in der Festung Braunau am Inn überfallen und damit einen Aufstand in Tirol, Schwaben, Bayern, Franken und Hessen auslösen wollte. Götzen beauftragte seinen Sekretär Bein, der bei den Verhandlungen mit Breczka dabei gewesen war, mit diesem nach Wien zurückzukehren, die Möglichkeit der Ausführung zu untersuchen und die Expedition zu leiten. Von den 20 000 Dukaten, die Bein am 13. Jänner in Wien vom englischen Gesandten Adair erhalten hatte, waren 16 000 Dukaten für Schlesien und 4 000 für Braunau bestimmt. Bei einem weiteren Treffen vertraute Götzen Eichler unter strengster Geheimhaltung an, daß sich in Bayern zugunsten Preußens eine Partei gebildet habe, „die den Franzosen einen bösen Streich spielen werde. Die Festung Braunau soll näm­lich am 8. Februar einverständlich mit den Einwohnern überrumpelt und eingenommen werden. In Wien soll jemand davon bereits unterrichtet und angewiesen sein, daß er in dem Augenblick, in dem er von einem Kurier die Nachricht erhält, diese Festung Seiner Majestät dem Kaiser von Österreich zur Übernahme anbiete“. Eichler meldete dies sofort per Stafette am 5. 2. 1807 um 9 Uhr nachts an Wallis, der den Bericht umgehend an Sumeraw weiterleitete. Dazu ist zu sagen, daß nach Wiese, der sich auf Götzens Jahre später verfaßten Generalrapport beruft, das Ereignis in Braunau am Fastnachtsabend, also am 24. März, stattfinden sollte.18 Götzen genehmigte den Plan, der ein Spektakel besonderer Art vorsah. Am Höhe­punkt des Faschingstreibens in Braunau sollte das Haus neben dem Pulvermagazin in Brand gesteckt werden, und die scheinbar zum Löschen Herbeieilenden sollten sich auf die Kasernen und Depots stürzen, die Posten überwältigen und mit den erbeuteten Waffen alle wichtigen Punkte besetzen. In den Wirtshäusern hätten Ver­traute zuvor die Getränke mit Opium zu versetzen gehabt. Man war der Meinung, daß die Besatzung Braunaus nur aus wenigen hundert Maim bestünde. Die Einnah­me von Braunau wäre auch von unschätzbarem psychologischem Wert gewesen, war es doch in dieser Stadt vor einem halben Jahr erst geschehen, daß der Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm wegen Verbreitung der Flugschrift „Deutschland in seiner tiefen Erniedrigung“ von einer französischen Militärkommission zum Tode verurteilt und am 26.8.1806 hingerichtet worden war.19 1 AVA, PHSt 1306/b/1807. 18 Ebenda 1304/o/1807, Wiese-Kaiserswaldau: Götzen, S. 101;Höpfner: Krieg, 2. TI., 4. Bd., S. 134-135; Ernstberger, Anton: Eine deutsche Untergrundbewegung gegen Napoleon 1806-1807. München 1955 (Schriftenreihe zur bayer. Landesgesch. Bd. 52), S. 22-24. 19 Österreichisches Staatsarchiv, Wien, Haus-, Hof- und Staatsarchiv (in Hinkunft: HHStA), Staatskanzlei (in Hinkunft: StK) Noten von der PHSt, Kt. 24, fol. 348-351, 359-372, 9-18, 320f.; Rackl, J.: Der Nürnberger Buchhändler Johann Philipp Palm, ein Opfer napoleonischer Willkür, Nürnberg 1906. 317

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