Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

SCHEMBOR, Friedrich Wilhelm: Die österreichische Neutralität von 1807–1809. Die preußischen Aufstandsversuche in Ansbach-Bayreuth und der Kampf um Preußisch-Schlesien

Friedrich Wilhelm Schembor Ein Zwischenfall beim Zollamt Niederlipka Bein lieferte das von Adair erhaltene Geld für Schlesien am 17. Jänner bei Götzen in Glatz ab und machte sich drei Tage darauf wieder auf den Weg nach Wien, um das Unternehmen in Braunau zu betreiben. Er wollte die Grenze im vierzig Kilome­ter von Glatz entfernten Niederlipka überschreiten, zeigte seinen Reisepaß und wur­de gefragt, ob er sonst einige Schriften oder Waren bei sich habe. Wie die Zollbeam­ten drei Tage später berichteten, „erschrak er bei dieser Frage und konnte lange nichts antworten, doch sagte er dann ganz bestürzt, er habe nichts. Dieses Benehmen mußte also natürlicherweise einen wider ihn nicht imbegründeten Verdacht erregen, man drang daher, doch ohne Verletzung des Anstandes, auf die Vorweisung seiner mithabenden Schriften und sonstigen Sachen“. Er zeigte dem dortigen Oberleutnant seine Depesche nicht vor und bot ihm 2 000 Stück Dukaten, wenn er ihn los ließe. Damit war für die Beamten klar, „daß erwähn­ter Hr. Bein kein Kurier, sondern sonst ein verdächtiger Mensch sein mag“. Das hatte Folgen. Der preußische Gesandte in Wien, Graf von Finkenstein, be­schwerte sich über das Verhalten der Niederlipkaer Zollbeamten. Der Vorgesetzte der Zollbeamten, Bankaladministrator Josef von Holbein, fand, „es sei kaum begreiflich, wie das Amt bei der ganz natürlichen Verlegenheit und Be­stürzung dieses Kuriers nicht vielmehr statt eines grundlosen Verdachts über seine eige­nen groben Mißgriffe erwacht sei, daß eine so unerwartete Behandlung jeden mit gehei­men Depeschen versehenen Kurier aus der Fassung gebracht haben würde“. Er forderte schleunigst einen Bericht, wieso von Bein Depeschen verlangt worden waren und sogar eine körperliche Untersuchung stattgefünden habe. Graf Wallis rügte den „groben Mißgriff“ der Zollbeamten, und sogar Kaiser Franz fand, die Zollbeamten hätten „wegen ihres sehr ordnungswidrigen Betragens den [...] erteilten Verweis in vollem Maße verdient“. Oberleutnant Karl Stephanie gab bei der Vernehmung an, Bein habe ihm 200 Du­katen Kaution geboten, wenn er ihn unaufgehalten reisen ließe, er habe ihn aber, weil er nicht von der Echtheit der Pässe überzeugt war, an seinen Vorgesetzten wei­tergesandt. Das Zollamt Niederlipka wies darauf hin, daß Bein nicht von diesem Amte ange­halten, „sondern bei seinem unzweckmäßigen Benehmen und unverständlichen Reden, aus denen kein Mensch klug werden konnte“, gleich zum Stationskomman­danten Oberleutnant Stephanie nach Grulich und auf das ängstliche und zweideutige Benehmen Beins hin weiter zum Regimentsstab gesandt wurde. Im übrigen werde auch jetzt noch jeder Kurier mit militärischer Begleitung zum Eskadronskomman­danten nach Grulich geschickt. Zwei Zollbeamte wollten eidlich bestätigen, daß sie Bein weder mit einem unan­ständigen Wort, noch einer unanständigen Behandlung und noch weniger mit einer körperlichen Durchsuchung beleidigt hätten. Auch in einer Note des Kriegsministe­riums vom 27. März an die Staatskanzlei wurden alle Vorwürfe an das Kordonkom­mando zurückgewiesen: Bein habe sich die Unannehmlichkeiten selbst zuzuschrei­ben, da er 318

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