Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)

Monika Lehner „erübrigt [...] nichts mehr für die Einrichtung der Repraesentations-Räume und für die nothwendigen Beleuchtungskörper in den Gesandtschaftsgebäuden und am Terrain, für deren Anschaffung ich daher hiemit die hochgeneigte Gewährung eines entsprechenden Nachtragscredites ergebenst erbitte“78. Die Repräsentationsräume wurden im Erdgeschoß eingerichtet: die großzügige Halle mit dem Stiegenhaus, ein größerer Salon, ein Boudoir, ein Rauch- und Spiel­zimmer, ein Speisesaal mit Anrichte-Raum, das Büro des Gesandten und ein „Toilet­ten- und Garderoben-Raum“ für Gäste bei größeren Festen. Im ersten Stock befanden sich nach Czikanns Ausführungen insgesamt „9 Zimmer mit 7 Bade- und Toilette-Raeumen“. Vier Zimmer (und die zugehörigen Badezim­mer) dienten als Wohnräume für den Gesandten und seinen europäischen Kammer­diener, die übrigen waren als Gästezimmer eingerichtet, von welchen eines als „besseres Gastzimmer mit Bade- und Toilette-Raum für die eventuelle Beherbergung eines Besuches von Distinction“ vorgesehen war. „Derartige Gastzimmer, wie sie die meisten hiesigen Gesandtschaften haben, und de­ren Unentbehrlichkeit sich namentlich im letzten Winter, während der Anwesenheit der Schutzescorten erwiesen hat, werden eben, bei der Pekinger Hötel-Misére, noch wohl Jahre hindurch unterhalten werden müssen“79. Die Einrichtung für seine Privaträume bestritt Czikann auf eigene Rechnung, und auch die Einrichtung der schlichteren Gästezimmer war schon anläßlich des Eintref­fens des k. u. k. Marine-Detachements angeschafft worden. Der Großteil der Einrich­tungsgegenstände, die in Wien bestellt worden waren, war bereits im Spätherbst 1898 eingetroffen, lediglich die Möbel für das Zimmer für einen „Besuch von Di­stinction“, die erst im Januar 1899 geordert worden waren, fehlten im Oktober 1899 noch. Dem „Rechnungs-Auszug über den Bau der k. u. k. oest. ung. Gesandtschaft in Peking“80 ist eine detaillierte Aufstellung der „Einrichtungs-Gegenstände der k. u. k. oest. ung. Gesandtschaft in Peking“81 beigefügt. Wie diese Aufstellung zeigt, wurde mit wenigen Ausnahmen die gesamte Einrich­tung aus Europa bezogen. In Beijing oder in Shanghai wurden - neben Geschirr­schränken, Küchentischen und Kleiderständern - nur die Einrichtung der Eingangs­halle und alle Teppiche angekauft. Die Einrichtung der Halle war „chinesisch“ - es gab zwei „gepolsterte chinesische Bänke und 6 chinesische Stühle“ und die Teppiche waren „chinesische, in Peking nach Art der Smyrna-Teppiche fabrizirt“82. Die Auf­stellung der angekauften Gegenstände zeigt, daß - trotz der Beteuerungen größter Sparsamkeit - die Einrichtung prächtig gewesen sein muß. HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/39, 151v und 152v. (Czikann an MdÄ, N° LV, Peking 1899 Oktober 15. Liegt bei 6-Palais Peking-1/38, MdÄ an k. u. k. Gesandtschaft Peking, N° 67593/3, Wien 1900 März 20). 79 Ebenda, 152',-153r. 80 Ebenda, fol. 159r-167v. (Beilage ad Czikann an MdÄ, N°LV, Peking 1899 Oktober 15). 81 Ebenda, fol. 165r-167v. (Czikann an MdÄ, N° LV, Peking 1899 Oktober 15). 82 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/39, fol. 166v. 140

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