Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)
nie [Cetinje], und über die verfassungsmäßige Genehmigung dieser Regierungs-Vorlage, zu dem Glauben berechtigt gehalten hätte , dass der für diese k. u. k. Gesandtschaft bewilligte Bau-Credit, statt in der ursprünglich anher bekannt gegebenen Höhe von 150 000 fl. Gold, nunmehr auf 200 000 fl. Gold festgesetzt sei, ein Betrag, welcher allerdings reichlich zur Vollendung der Arbeiten genügt hätte“73. Als Gründe für die „ungeachtet der bei den Bau-Arbeiten beobachteten gewissenhaftesten Sparsamkeit“76 eingetretene Überschreitung des Kostenvoranschlages, nennt der Gesandte eine abnorme, mehr als zwei Jahre andauernde Kurssteigerung des Kupfergeldes, mit dem alle Arbeits- und Fuhrlöhne und alle in China gewonnenen bzw. erzeugten Baumaterialien (Sand, Kalk, Ziegel, Holz [...]) bezahlt werden mußten: Die Kosten für die in Beijing angekauften Materialien waren im Frühjahr 1897 auf höchsten 25 000 Taéls geschätzt worden, tatsächlich aber betrug der Preis ein Jahr später 33 200 Taels. Noch gravierender war die Kurssteigerung des Kupfergeldes in Shanghai, von wo der Großteil der Baumaterialien angeliefert wurde. Gegenüber den Voranschlägen vom Frühjahr 1897 lagen die tatsächlichen Kosten um 50 Prozent höher. Die mit den Gegebenheiten in China vertrauten Architekten Morrison & Gratton hatten es unterlassen, bindende Kostenvoranschläge zu machen und schlossen über die nötigen Materialien unmittelbar bei Bedarf Kontrakte ab. Die periodischen Streiks einzelner Handwerkszweige führten zu einer Verteuerung der Frachttarife zwischen Shanghai und Tianjin und Morrison & Gratton verrechneten schließlich für die von ihnen besorgten Lieferungen, für deren Transport von Shanghai nach Tianjin und für ihre 7% Provision anstatt der im Herbst 1897 geschätzten 22 000 Taels (im Frühjahr 1898 lag die Schätzung bereits bei 25 000 Taels) exakt 33 594,26 Taels77. Czikann wickelte die Finanzierung der Bauarbeiten und der Innenraumgestaltung mit größter Sorgfalt ab, doch es kam immer wieder zu kleinen Schwierigkeiten mit Lieferanten, Bauunternehmern etc. und zu Verzögerungen im Postverkehr mit Europa. So sah sich der Gesandte im Frühjahr 1899 gezwungen, „um eine der Stellung einer k. u. k. Mission jedenfalls nicht angemessene Verzögerung fälliger Zahlungen zu vermeiden“, einige Rechnungen aus Privatmitteln zu bezahlen, da der neue Kreditbrief noch nicht eingetroffen war. Mit dem geringen noch vorhandenen Barrest konnte Czikann zwar alle noch nötigen Arbeiten (Anstrich der Häuser und des Holzwerkes, Tapezieren etc.) und noch strittige Forderungen der Architekten dek- ken, doch * * * * Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896-1900) Die Worte „zu dem Glauben berechtigt gehalten hätte“ sind unterstrichen, am linken Rand steht dazu: „Warum?“ HHStA, AR, Fach 6/28,6-Palais Peking-1/39, fol. 143v. (Czikann an MdÄ, N° LV, Peking 1899 Oktober 15. Liegt bei 6-Palais Peking-1/38, MdÄ an Gesandtschaft Peking, N° 67593/3, Wien 1900 März 20). Ebenda, fol. 144. Im Frühjahr 1897, als die ersten Kostenvoranschläge gemacht wurden, entsprach ein 1 Beijing-Tael etwa 12 500 cashes. Ein Jahr darauf, als der Vertrag mit dem chinesischen Bauunternehmer abgeschlossen wurde, entsprach 1 Beijing-Tael nur noch 10900 cashes. Die Kurstendenz war weiterhin stark fallend. Im Frühjahr 1899 ergab 1 Taél 10 600 cashes, im Herbst nur noch 10450 cashes (HHStA, AR, Fach 6/28, 6- Palais Peking-1/39, 144v-146r). 139