Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)

Monika Lehner waren die Ankunft des k. u. k. Marine-Detachements™ und die Tatsache, daß Sir Robert Hart das Czikann überlassene Haus für einen seiner Beamten benötigte. „Ich habe zu diesem Zwecke einige Zimmer des oberen Stockwerkes als Wohnung für mich selbst und die dem Detachement zugetheilten Stabspersonen provisorisch herrichten lassen, während der k. u. k. Legationssecretär und die k. u. k. Consular Attachés vorläu­fig noch in den für sie gemietheten chinesischen Wohnhäusern verblieben sind“70 71. Im Laufe des Jahres 1899 wurde die Häuser und die Dächer angestrichen, in den Häusern erfolgten Tapeziererarbeiten, Fenster, Türen und Fußböden wurden endgül­tig eingebaut und die Heizanlagen vervollständigt. Das Gesandtschaftsterrain wurde applaniert und der Bauschutt weggeschafft, die Wege auf dem Grundstück, die not­wendigen Drainagen und der Garten angelegt sowie die Zufahrt und die Wege au­ßerhalb der Umfassungsmauer angelegt. Gleichzeitig wurde die Installation einer elektrischen Beleuchtung geplant - was jedoch vom Zustandekommen einer Filiale der Firma Siemens und Halske in Beijing abhängig war72. Der k. u. k. Gesandte war im Januar 1899 sicher gewesen, die noch erforderlichen Arbeiten an der Innenausstattung der Gebäude innerhalb von zwei Monaten während der Frühlings-Bauperiode zum Abschluß bringen zu können und daß alle Gebäude vor Beginn des Hochsommers endgültig bezogen werden könnten, womit er recht behalten hatte. Doch im Oktober 1899 mußte er melden, mit dem bewilligten 150 000 fl. Gold keineswegs das Auslangen finden zu können und „daher um die hochgeneigte Ge­währung eines ziemlich bedeutenden Nachtrags-Credites bitten“73 zu müssen. Er selbst hatte die Notwendigkeit eines Nachtragskredites schon im Sommer 1898 unterbreiten können, nachdem er über die Kosten des Rohbaus und der von den Architekten aus Shanghai zu liefernden Materialien orientiert war. Und er hätte seine Bitte auch unterbreitet, wenn er sich ,glicht durch die in der Wiener Zeitung im November 1897 und im Sommer 1898 ent­haltenen Relationen über die k. u. k. Regierungs-Vorlagen an die Delegationen, bezie­hungsweise an den Reichsrath, betreffs der Kosten-Erfordernisse für den Bau und die Einrichtung von Gesandtschafts-Gebäuden in Peking [Beijing], Tokio [Tokyo] und Ceti­70 Im September 1898 scheiterten die Reformer um Kang Youwei und mit dem Erstarken der reaktionären Kreise um die Kaiserin-Witwe Cixi kam es vermehrt zu ausländerfeindlichen Zwischenfallen. Als der Qing-Hof im Oktober und November rund um Beijing starke Truppenkontingente (ca. 15 000 Mann) zu­sammenzog, forderten die diplomatischen Vertreter Schutzdetachements an. Der k. u. k. Gesandte erhielt am 31. Oktober 1898 die Ermächtigung, 30 Mann von der vor Dagu liegenden k. u. k. Korvette „Frunds- berg“ über den Winter nach Beijing kommen zu lassen. Das Detachement bestand aus einem Offizier (Linienschiffslieutenant Karl Prica), zwei Seekadetten und 30 Mann und traf am 3. November 1898 ein, am 6. November 1898 wurde die erste Flaggenparade abgehalten (Wiener Zeitung Nr. 181, 9. August 1900, S. 9 und Lehner, Georg: Die Chinapolitik Österreich-Ungarns 1896-1917. Eine Studie zur Stellung der Habsburgermonarchie im Femen Osten. Wien (Dipl.-Arb.) 1992, S. 43 f.). 71 HHStA AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/36, fol. 132v. (Czikann an MdÄ, N° IV, Peking 1899 Januar 10). 72 Ebenda,fol. 135v. 73 Ebenda, 6-Palais Peking-1/39, fol. 143v. (Czikann an MdÄ, N° LV, Peking 1899 Oktober 15. Liegt bei 6-Palais Peking-1/38, MdÄ an k. u. k. Gesandtschaft Peking, N° 67593/3, Wien 1900 März 20). 138

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