Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)
port der in Shanghai bezogenen Materialien vom Schilf zum Bauplatz für insgesamt Taels 33 200 durchführen65. Nach dem Kostenvoranschlag der Architekten von Morrison & Gratton kamen die aus Shanghai und Europa bezogenen Materialien auf Taéls 22 20066. Im Frühjahr 1898 wurde die Abdeckung der Fundamente entfernt. Die Mauerarbeiten waren bis Juni fast vollständig fertiggestellt, so daß noch vor der Regenzeit der Dachstuhl aufgerichtet und das Dach gedeckt werden sollten. Durch einen Streik der Zimmerleute in Shanghai „trat jedoch eine Verzögerung in der Anhersendung der Dachbalken für die beiden Pavillons [d.h. für die Häuser für den Gesandtschaftssekretär und die Eleven/Beamten] ein und es mussten dieselben zu Beginn der Regenzeit provisorisch mit Matten eingedeckt werden“67. Anders als 1897 begann die Periode der Starkregen in diesem Jahr später, so daß trotz der Verzögerungen alle drei Gebäude unter Dach gebracht wurden. Die Häuser wurden mit Wellblech gedeckt, was in den heißen Sommern in Beijing die Raumtemperatur der Räume in den oberen Stockwerken unerträglich gemacht hätte68. Czikann ließ daher - trotz der damit verbundenen Zusatzkosten - eine isolierende Filzschicht anbringen. Eine neuerliche Verzögerung trat durch die Erkrankung des von der Firma Morrison & Gratton beauftragten Bauaufsehers ein, für den erst im September Ersatz gefunden wurde. Deshalb war es unmöglich, die Häuser, die bis zum Wintereintritt fertig sein sollten, endgültig zu übernehmen. Czikann klagte darüber in seinem Bericht über die Baufortschritte: .Abgesehen von einzelnen Abänderungen, deren Nothwendigkeit den Architecten zur Last gelegt werden muss, bleiben noch die Tapezierung der Wände, der Anstrich der Fuszböden, die Adjustirung und Politur der Thüren und Fenster und andere Detailarbeiten zu besorgen“69. Obwohl das Haus keineswegs bezugsfertig war, sah sich der k. u. k. Gesandte gezwungen, schon im November 1898 in das Palais zu übersiedeln. Die Gründe dafür Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896-1900) Durch Abzüge für Gewichtsdifferenz und Silberfeinheit reduzierte sich dieser Betrag auf Taéls 32303,60, die in drei Raten entrichtet werden sollten: im 12. chinesischen Monat (Dezember 1897/Januar 1898) Taels 19460; im 3. Monat (April) Taéls 4865 und nach Vollendung des Baus Taéls 7978,60 (HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/27, fol. 106v). 66 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/27, fol. 107r. (Czikann an MdÄ, N° III, Peking 1898 Januar 10. Beilage ad Gofuchowski an Anglo-Austrian Bank/London und Czikann, N° 12368/3, Wien 1898 März 18). 67 Ebenda, 6-Palais Peking-1/36, fol. 131. (Czikann an MdÄ N°IV, Peking 1899 Januar 10.). 68 Die Durchschnittstemperatur in Beijing beträgt im Juni etwa 24,5 °C, im Juli 26,0 °C, im August 24,6 °C, im September 19,5°. Beijing wird im Juli und August vom Sommermonsun berührt. In dieser Periode übersiedelten die diplomatischen Vertreter in Sommerresidenzen, zu meist im nahe Beijing gelegenen Xis- han, wo Tempelanlagen und Landhäuser angemietet wurden. Die in traditioneller Bauweise errichteten Häuser, bei welchen dem Mauerwerk keine tragende Funktion zukommt, sind im allgemeinen mit glasierten Ziegeln gedeckt, die die Sonneneinstrahlung gut reflektieren. Dazu kommt die spezielle Dachgestaltung als Walmdach beziehungsweise als Pultdach mit relativ großem Überhang, der zum einen das Mauerwerk und die Balkenkonstruktion schützt, zum anderen die intensive Sonneneinstrahlung abhält. 69 HHStÄ AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/36, fol. 131v-132r. (Czikann an MdÄ N° IV, Peking 1899 Januar 10). 137