Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)

Monika Lehner Der Herbst 1897 war - nach dem Ende der eigentlichen Regenzeit - extrem nie­derschlagsreich und in der kurzen (etwa 10 Wochen langen) Bauperiode war die Trocknung des Mauerwerks vor dem Wintereinbruch nicht gewährleistet. „Unter diesen Umständen beschlossen wir, in Berücksichtigung der Sachverständigen- Gutachten, uns heuer nur auf die Ausführung der Fundamente der drei Gebäude (der Ministerresidenz und der Häuser für den k. u. k. Legations-Secretär und die Seminari­sten) zu beschränken, welche dann vor Eintritt des Winters zum Schutz gegen Frost mit Erde überdeckt werden müssen“60 61. Gegen Ende der Herbst-Bauperiode sanken die Preise für Baumaterialien wieder auf das übliche Niveau. Czikann nützte diesen Umstand und ließ das angekaufte Material auf den Bauplatz bringen, „damit sofort mit Beginn der Frühjahrs-Bauperiode die Vollendung der Baulichkeiten mit Energie in Angriff genommen werden könne; dann kann, nach den Erklärungen der Sachverständigen mit Sicherheit darauf gerechnet werden, dass alle drei Häuser noch vor der nächstjährigen Regensaison vollendet, und zu Beginn des Herbstes auch schon be­wohnbar sein werden“ . Ein Jahr nach Beginn der Maßnahmen zur Errichtung einer k. u. k. Gesandtschaft in Beijing lag noch kein endgültiger Kostenvoranschlag vor - und Czikann sah sich gezwungen, eine neue Wohnung für sich zu finden, da der spanische Gesandte Don Bernardo de Cologan aus dem Urlaub zurückkehrte62. Czikann hatte sich schon dazu durchgerangen, die Residenz temporär nach Shanghai oder Tianjin zu verlegen, als ihm Sir Robert Hart, der Inspector General der Imperial Maritime Customs, ein (europäisches) Haus unentgeltlich (!) zur Verfügung stellte. ,Jn meiner Zwangslage habe ich dieses Haus, welches, wenn auch nicht sehr geräumig und von den anderen Gesandtschaften ziemlich entfernt, doch ein ganz passendes Provi­sorium ist, dankbar, aber mit dem Vorbehalte angenommen, meine Erkenntlichkeit durch Zuwendung eines entsprechenden Betrages für eine unter Sir Robert Hart’s Verwaltung stehende Wohlthätigkeits-Institution zu bezeigen“63. Bis November 1897 wurden die Fundamente der drei Gebäude fertiggestellt und mit Stroh und Erde gegen Frost geschützt64. Czikann schloß am 19. Dezember 1897 einen Vertrag mit einem chinesischen Bauunternehmer. Dieser sollte den Bau der drei Gebäude, die Lieferung der in Beijing angekauften Materialien und den Trans­60 HHStA AR, Fach 6/28, 6-Peking 1/22, fol. 72 (Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30). 61 Ebenda, IT1-IV. „Unter diesen Verhältnissen war die schwer zu lösende Frage, wo ich während des nächsten Winters wohnungnehmen solle, neuerdings an mich herangetreten, da ... in den anderen hiesigen Gesandtschaften die Raumverhältnisse eine monatelange Unterbringung eines fremden Gesandten auch nicht gut möglich machen, und alle Bemühungen, ein europaeisches oder ein halbwegs bewohnbares und meiner Stellung entsprechendes chinesisiches Haus zur Miete zu finden, erfolglos geblieben sind“ (HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking 1/22, fol, 73). Das Haus hatte ein am Dongwenguan (Czikann bezeichnet dieses als „die der Seezollverwaltung [unterstehende] Pekinger-Universität“) lehrender Professor bewohnt, der seinen Posten aufgegeben hatte. Da sich die Ernennung eines Nachfolgers verzögerte, stand das Haus leer (HHStA AR, Fach 6/28, 6- Peking 1/22,73v-74r). 64 Kosten: 2841,28 Taels. (HHStA AR, Fach 6/28, 6-Palais Peking-1/27, fol. 106v. Czikann an MdA N°tIII, Peking 1898 Januar 10. Beilage ad Goluchowski an Anglo-Austrian Bank/London und Czikann, N° 12368/3, Wien 1898 März 18). 136

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