Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)
Zunächst jedoch mußte das Gelände von Schutt und Unrat befreit und applaniert werden. Mit dem von dem für den Grundstückskauf vorgesehenen Betrag auch nach dem Bau der Umfassungsmauer noch verbliebenen Rest wurden diese Arbeiten durchgeführt und im südwestlichen Teil des Terrains „Stallungen für 12 Pferde, mit Sattel- und Futterraum, Wagenremise und zwei Zimmer für die Mafüs [mafu Pferdeknecht]“* 56 errichtet. Czikann hatte diese baulichen Maßnahmen unmittelbar nach seiner Ankunft in Beijing in Angriff nehmen lassen, um ihren Abschluß vor Beginn der Regenzeit sicherzustellen und von den im Frühjahr geringeren Kosten für Baumaterialien und Transporte. Die Genehmigung hiefür wurde nachträglich eingeholt. „Diese Baulichkeit haben wir in eigener Regie, ohne vorerst Pläne hiefür von der Firma Morrison und Gratton in Shanghai einzuholen, durch den chinesischen Baumeister der Umfassungsmauer ausführen lassen, da wir dadurch, nebst der Ersparnis der Kosten für solche Pläne, viel an Zeit gewinnen konnten, und uns in den ausgedehnten Stallungen der hiesigen englischen Gesandtschaft ein vortreffliches Muster mit Rücksicht auf die klimatischen Verhältnisse in Peking zu geböte stand“57. Weiters wurden - begünstigt durch die Preisentwicklung im Frühjahr 1897 - rund 3 200 Picul58 ungelöschter Kalk (CaC03) angekauft, die zum Teil beim Bau der Stallungen Verwendung fanden, zum Teil für den sofortigen Baubeginn nach dem Ende der Regenzeit bereitgestellt wurden. Czikann legte über alle Maßnahmen detaillierte Abrechnungen vor und berichtete - den Vorschriften entsprechend - jeweils über die Trassierung der vom Ministerium bewilligten, bei der Anglo-Austrian Bank in London deponierten Beträge. Die Vorlage der (chinesischen) Originalrechnungen unterblieb, „da sie in Wien denn doch unverständlich wären, und ihre Aufbewahrung in Peking für eventuelle spätere Reclamationen geboten erscheint“59. Der Bau blieb weiterhin von Schwierigkeiten überschattet: Im Sommer 1897 waren die Regen außergewöhnlich intensiv und langandauernd. Dadurch war der Transport von Baumaterialien, die fast zur Gänze aus Shanghai nach Beijing transportiert werden mußten, sehr erschwert und zeitweilig unmöglich gemacht. Dies führte zu einer rapiden Verteuerung bei Baumaterialien um rund ein Drittel gegenüber den Preisen im Frühjahr. Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896-1900) k.ung. Regierung (Ebenda, 6-Palais Peking-1/23, fol. 90r und föl. 91r. Bánfty an Goiuchowski, ZI. 20831/M.P., Budapest 1897 Dezember 29. und dazu fol. 89re: Goiuchowski an Gautsch, 67/3, 1898 Januar 15) ersuchte Goiuchowski, „die Flüssigmachung dieser Dreihunderttausend |:300 000:| Gulden in Gold u[nd] zw[ar] thulichst in Nap[oleon] d’or verfügen ... zu wollen“ (Ebenda, 6-Palais Peking-1/24, fol. 97r. Goiuchowski an Kállay, 2672/3, Wien 1898 Januar 21). 56 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/22, fol. 79r. (Rosthom an Czikann, Peking 1897 September 25. Beilage zu Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30). 57 Ebenda, 6-Peking 1/22, fol. 67. (Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30). 58 1 Picul = 100 catties = 133 1/3 lb. avoirdupois. Vgl. auch Chang, Hsin-pao: Commissioner Lin and the Opium War. Cambridge 1964, Vorbemerkungen. Es gilt: 1 lb. avdp. (= 16 oz. avdp.) = 0,45359243 kg. Daher: 1 Picul - 60.32779319 kg. 59 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking 1/22, fol. 69v-70f (Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30). Diese Vorsichtsmaßnahme führte dazu, daß diese Rechnungen nicht mehr vorhanden sind. Sie wurden im Sommer 1900 ein Raub der Flammen. 135