Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)

Monika Lehner kretär und die Eleven/Beamten. Ursprünglich sollten diese Gebäude durch die Wirt­schaftsräume verbunden werden. Im endgültigen Plan wurden diese getrennt: „Diese geänderte Disponirung, welche übrigens auch dem bei den anderen hiesigen Gesandtschaften durchgeführten Systeme der Bewohnung des Gesandtschafts-Personales entspricht, und von dem, im Monate Juni hierhergesandten Vertreter der Firma Morrison und Gratton selbst als eine wesentliche Verbesserung bezeichnet worden ist, empfiehlt sich namentlich als eine den beiden Häusern rücksichtlich des Lichtes, der Lage nach der Sonnen- und Wetterseite, der Vertheilung der Gartenanlagen und schließlich auch der Bequemlichkeit der Bewohner vortheilhaftere Placirung, und würde endlich, bei anfälli­gen, in der Zukunft sich als nothwendig erweisenden Vergrößerungen der k. u. k. Ge­sandtschaft die Ausführung von Zubauten leichter machen“50 51’ Diese Argumentation ist typisch für die Situation der k. u. k. Vertretung in China. Man orientierte sich stets an den Gesandtschaften der anderen Mächte, und man hoffte immer auf eine Erweiterung der österreichisch-ungarischen Interessen in China und einer damit verbundenen Erhöhung des Gesandtschaftspersonals. Die weiteren Änderungen gegenüber den ersten Entwürfen betrafen die Gestaltung des Daches und die Anlage der Dienerwohnungen - „und sind sämmtliche unwe­sentlich und ohne Einfluss auf die Baukosten“51. Bei der Fassadengestaltung - im „griechischen Stil“52 - entschied sich Czikann für die „schlichtere“ Variante53, für die sich auch das Ministerium des Äußern ausge­sprochen hatte, das die entgültigen Entscheidungen über die Ausgestaltung des Pa­lais’ dem Gesandten überließ54, aber erneut daraufhinwies, daß die Gesamtkosten für den Ankauf des Grundstücks, den Bau und die Einrichtung des Hauses den Betrag von Kr. 150 000 nicht übersteigen dürfen55, [siehe Abb. 5] 50 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/22, fol. 71™. 51 Ebenda. 52 Elisabeth von Heyking, die Frau des deutschen Gesandten Edmund von Heyking, berichtet in ihren Le­benserinnerungen: „27. April [1897], ... Abends gaben wir ein großes Diner für den neuangekommenen österreichischen Gesandten, Baron Czikann ... Er scheint noch in den Flitterwochen des Gesandtendaseins sich zu befinden und dadurch die Schrecknisse Pekings zu übersehen, spricht von seinem künftigen Ge­sandtschaftspalais mit griechischer Fassade, und das allein beweist ja, welchen Illusionen er sich hingibt. ... Diese neue Gesandtschaft soll hier entschieden mit einem gewissen Trara installiert werden, ich furchte nur, auf die chinesische Dickfelligkeit macht nichts einen Eindruck.“ zitiert nach H e y k i n g, Elisabeth von: Tagebücher aus vier Weltteilen 1886/1904. Litzmann Grete (Hrsg.) Leipzig 1926. S. 217 f. 53 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/ll, fol. 34r. (Ministers Residence, Elevation of South Front. Beilage ad Rosthom an MdÄ, N° IV, Shanghai 1896 November 9). 54 Ebenda, fol. 45 (MdÄ an Rosthom, N° 9178/2, Wien 1897 Februar, exped. 1897 März 2.: „Was die mit dem zweiten Berichte [Ebenda, 6-Peking-l/13, fol. 46r-47v. Rosthom an MdÄ N° II, Peking 1897 Januar 7] vorgelegten Entwürfe der Faiadé des zu errichtenden Hauptgebäudes anbelangt, so glaubt der M[inister] d[es] Ä[ußem] gleichfalls der einfacheren Alternative [Designé 1] den Vorzug geben zu sollen, doch muß die Entscheidung hierüber sowie überhaupt über die Details dem genannten Herrn Gesandten, der an Ort und Stelle am besten über deren Zweckmäßigkeit zu urtheilen in der Lage sein wird, überlassen werden“.). 55 Ebenda, 6-Peking-l/13, fol. 45v (MdÄan Rosthom, N°9178/2, Wien 1897 Februar, exped. 1897 März 2.). Das Ministerium des Äußern hatte im Einvernehmen mit den Regierungen Österreichs und Ungarns insgesamt 300 000 fl. in Gold für den Bau der Gesandtschaftsgebäude in Beijing, Tokyo und Cetinje „im Wege eines aus den gemeinsamen Aktiven zu deckenden außerordentlichen Nachtragskredites für das Jahr 1897 in Anspruch genommen“ (Ebenda, 6-Palais Peking 1/22, fol. 87: MdÄ an Bänffy und Gautsch, ZI. 57.817/3, Wien 1897 Dezember 18). Nach der Genehmigung dieses Nachtrags durch die k. k. und die 134

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