Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
LEHNER, Monika: Die Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896–1900)
Ostseite mit einer Cementkappe versehen. Am Fusze der Mauer ist in der ganzen Länge innen und aussen eine cementirte Traufplatte von 1.5 Fusz [0,4725 m] angebracht“43. Die Mauer umschloß das gesamte Grundstück bis auf zwei breitere Lücken: „Der Bau der Umfassungsmauer wurde im Monate April begonnen und im Juni d. J. zu Ende geführt. An der Westseite ist an der Stelle wo die Haupteinfahrt und die Portierswohnung errichtet werden soll, eine 87 chin. Fusz44 [27,405 m] weite Oeffnung gelassen worden. An der Ostseite ist da, wo zur Unterbringung des Bau-Personales ein Haus stehen gelassen wurde, ein 38 chin. Fusz [11,97 m] langes Stück unausgeführt geblieben; der Bau-Unternehmer hat jedoch die Verpflichtung übernommen, dieses letztere Stück nach Beseitigung des Hauses fertigzustellen, ohne eine besondere Vergütung dafür zu beanspruchen“. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 4 822,15 Taels, wovon 2 477,93 Taels auf Materialkosten und 2 344,22 Taels auf Baukosten entfielen43 46. In der nachträglichen Bewilligung für den Bau der Mauer wurde als Maximalkosten £ 882“ festgesetzt, diese Summe wurde jedoch unterschritten, die Errichtung der Umfassungsmauer kostete £ 706.80 und vom Rest konnten weitere Arbeiten finanziert werden. Der k. u. k. Gesandte Moriz Freiherr Czikann von Wahlbom übernahm mit seiner Ankunft in Beijing47 selbst die Leitung der Bauarbeiten. An den Einzug in das neue Palais im Herbst des Jahres war nicht mehr zu denken: „Die von Herrn von Rosthom in seinem Berichte vom 31. März dieses Jahres ausgesprochene Befürchtung, dass der Bau der Gesandtschaftsgebäude weder vor der heueri- gen [sic!] Regensaison begonnen, noch im Herbste dieses Jahres vollendet werden könne, hat sich leider als richtig erwiesen. Bei dem Umstande, dass die überaus schwierigen Verhandlungen werden des Ankaufes des Terrains erst am 20. März zu ihrem, allerdings über alles Erwarten günstigen Abschlüsse gelangt sind, dass erst nach diesem Abschluss definitive Baupläne gemacht werden konnten, dass aber nach deren Einlangen sich doch noch manche Aenderungen wünschenswerth erwiesen haben, deren Fixirung in den Bauzeichnungen im Correspondenzwege mit Shanghai veranlasst werden musste und bei der langwierigen Postverbindung zwischen Peking und Shanghai sehr viel Zeit beanspruchen, mussten wir die Monate vor der Regensaison, die für größere Bauten hauptsächlich in Betracht kommende Bau-Periode Pekings, für die Hauptgebäude unbenützt verstreichen lassen“48. Die wichtigste Änderung - welche, wie Czikann betonte „aber keinerlei Erhöhung der Baukosten involvirt“49 - betraf den Gebäudekomplex für den GesandtschaftsseDie Errichtung des k. u. k. Gesandtschaftspalais in Beijing (1896-1900) HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/22, fol. 76v~77r. (Rosthom an Czikann, Peking 1897 September 25. Beilage zu Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30). 44 In einer Anmerkung gibt Rosthom an dieser Stelle als Umrechnungsfaktor 1 chin. Fuß = 0,315 Meter an. Alle folgenden Maßangaben sind danach umgerechnet. 43 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/22, fol. 77r. (Rosthom an Czikann, Peking 1897 September 25. Beilage zu Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30). 46 Rosthom hatte für den Bau der Umfassungsmauer rund um das gesamte Grundstück drei Kostenvoranschläge eingeholt: (1) Taéls 3595 = £ 539, (2) Taéls 4740 = £711, (3) Taéls 5882 = £ 882. 47 Czikann traf am 22. 4. 1897 abends in Beijing ein und nahm zunächst im Haus des spanischen Gesandten Don Bemado de Cologan Wohnung, (siehe HHStA, PA XXIX/5, fol. 19: Czikann an Goluchowski, N° 6 [A], Peking 1897 April 28). 48 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/22, fol. 70 (Czikann an MdÄ, N° XXIII, Peking 1897 September 30. Beilage ad MdÄ an Czikann, Erlaß N° 52966/2, Wien 1897 November 22). 49 HHStA, AR, Fach 6/28, 6-Peking-l/22, fol. 70v. 133