Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

LEHNER, Georg: Chinesisch für den auswärtigen Dienst: Zwei Dolmetsch-Eleven an der k. u. k. Gesandtschaft in Beijing in den Jahren 1897 bis 1900

Georg Lehner nach Beijing unter anderem, „um hier an Stelle des beurlaubten k. u. k. Legations- rathes Dr. von Rosthorn die Agenden des Dolmetsches zu versehen“”. Schon im Frühjahr 1901 stellten sich bei Silvestri gesundheitliche Probleme ein: „[...] als Vice-Consul Silvestri derart schwer erkrankt ist, dass er dem Tode nahe war und China voraussichtlich auf längere Zeit verlassen wird“33. Nach dieser Erkrankung und gegen Ende seines Heimaturlaubes bat Silvestri „um provisorische Versetzung auf einen näheren Dienstposten“. Er war grundsätzlich bereit, nach völliger Wiederherstellung seiner Gesundheit neuerlich in China Dienst zu tun. Er stellte das Ansuchen, provisorisch der Konsularvertretung in Konstan­tinopel zugeteilt zu werden, wodurch er die „lange erwünschte Gelegenheit“ erhalten könnte, am Sitze des k. u. k. Konsularobergerichtes „einen tiefen Einblick in die Jurisdictionsverhältnisse zu gewinnen und auf diese Weise seine in Ostasien „wegen der dort zu spärlichen Casuistik“ nur „mangelhaft“ erworbene Rechtspraxis in vor­teilhafter Weise ergänzen und erweitern könnte34 35 36. Nach einem Kuraufenthalt in Karlsbad ersuchte Silvestri jedoch um seine Verset­zung zu einem Konsulat in den Vereinigten Staaten, da eine Rückkehr nach China einen gesundheitlichen Rückfall befurchten ließ. Bis zum Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg stand Silvestri fortan in verschiedenen Funktionen an der Gesandtschaft in Washington sowie an den Konsularvertretungen in Pitts­burgh, Cleveland und Chicago in Verwendung37. Nach dem Ende der Monarchie trat er in italienische Dienste und starb am 28. Februar 1931 als italienischer Gesandter in Luxemburg38. Die Karriere von Richard Natiesta im k. u. k. auswärtigen Dienst ging bereits 1901 ebenso abrupt wie spektakulär zu Ende. Im Herbst 1900 hatte er - mit Unterstützung Rosthorns - beim Ministerium des Äußern um Entschädigung für seine während der Belagerung von Beijing beim Brand der k. u. k. Gesandtschaft vernichteten Privatef­fekten angesucht39. Ende Januar 1901 wurde ihm sein Urlaub bis 4. April 1901 ver­längert40. 34 HHStA, AR Fach 4/319, Silvestri 1/9-3 (Czikann an MdÄ, Bericht N° XII, Peking 1900 November 6). 35 HHStA, AR Fach 4/231, Natiesta 1/7-6 (Pisko an MdÄ, N° 11 res., Shanghai 1901 Mai 31); vgl. dazu auch HHStA, GA Peking 79, Consulate-Personalia (MdÄ an Czikann, Nr. 40463/10, Wien, 1901 Juli 6). 36 HHStA, AR Fach 4/319, Silvestri 1/12 (Silvestri an MdÄ, Wien 1902 Februar 27). 37 Diese im Personalakt Silvestri erliegenden Ansuchen waren vom MdÄ durchwegs genehmigt worden. Zu den verschiedenen Dienstposten Silvestris in den Vereinigten Staaten vgl. das Jahrbuch des k.u.k Auswärtigen Dienstes 21 (1917), S. 448. 38 Vgl. dazu einige Kopien von Akten aus dem luxemburgischen Staatsarchiv, die im Personalakt Silvestri (HHStA, AR Fach 4/319) erliegen. 39 HHStA, AR Fach 4/231, Natiesta 1/8-1 (Natiesta an MdÄ, Wien 1900 Oktober 17); eine weitere Eingabe vom gleichen Datum erliegt ebenda, Rubrik 1/9-1. Natiesta besuchte Rosthom Anfang Januar 1901, dieser sagte ihm Unterstützung in dieser Angelegenheit zu; vgl. ebenda, 1/8-1 (Rosthom an Hof- und Ministerial­rat Wilhelm Mittag von Lenkheym, Wien, 1901 Januar 5: . dass Herr Natiesta zur Zeit seiner Beurlau­bung in der That viele Einrichtungsgegenstände und Privat-Effecten in seiner Wohnung innerhalb des Ge- sandtschafts-Complexes hinterlassen hat. Auch scheint mir die Höhe seiner Ersatz-Ansprüche keine über­triebene zu sein“.). 40 HHStA, GA Peking, Karton 79 (MdÄ an k. u. k. Gesandtschaft Peking, ZI. 5648/10 ex 1901, Wien 1901 Februar 9). 118

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