Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

Rudolf Agstner Am 21. Januar 1949 begann der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstör­ten Mewstraktes durch James Carmichel Contractors Ltd. und Architekt Walter H. Marmorek132. Die gesamten Kosten von rund 100 000 LSt. wurden von einem Fonds zur Entschädigung der Opfer der Kriegsauswirkungen getragen, bei der Ar­chitekt Marmorek ein „War Damage Claim“ geltend gemacht hatte. Lothar Wimmer, schon 1911 für sechs Monate Volontär bei der Anglo-Austrian Bank und 1929 bis 1933 Legationsrat an der Gesandtschaft in London, war von 1950 bis 1952 der zweite Gesandte, und danach bis 1955 der erste Botschafter Österreichs in London. Wimmer erinnert sich in seinen Memoiren133: Das nächste Interesse galt dem Haus 18, Beigrave Square, dem Sitz der Botschaft, seit der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Apponyi um das Jahr 1867 die Westmin­ster Lease für das Gebäude erworben hatte. Bis zum Jahre 1938, als das Gebäude den Deutschen übergeben und von ihnen ausgeräumt worden war, hatte es ununterbrochen der würdigen Repräsentation Österreichs gedient. Im Kriege durch die Zerstörung des rückwärtigen Teils, der Mews, und die Vernachlässigung des übrigen Teiles schwer be­schädigt, war es nur unter Aufwendung großer Mittel - nahezu 100 000 LSt. - instandgesetzt und modernisiert worden. Es besaß nun einen Lift und 8 Badezimmer und selbstverständlich auch Mängel, darunter das Fehlen eines wenn auch nur kleinen Appar­tements für Gäste, was sich bei den Krönungsfeierlichkeiten unangenehm fühlbar mach­te ... Das Haus wurde jedoch erst im Dezember 1950 beziehbar und so konnten wir zu­nächst einige Monate das sorgenfreie Leben im Hotel und dann im netten Provisorium meines Vorgängers - einem Haus in Pembroke Garden - auf den großen Moment der Wiedereröffnung von 18, Beigrave Square warten. Die Gesandtschaft war damals provisorisch in 1, Hyde Park Gate, London SW 7 untergebracht; die Räume wurden nach der Rückkehr auf den Beigrave Square von der österreichischen Außenhandelsstelle übernommen. Obwohl der Ballhausplatz bei der Erhebung der Gesandtschaften in den Hauptstäd­ten der Alliierten zu Botschaften keine Eile an den Tag legte134 - man wollte zu­nächst den Abschluß des Staatsvertrages abwarten - wurde die Rangerhöhung von britischer Seite betrieben135. „... am 30. Januar 1952 erschien der Marschall des Walter Hans Marmorek, * Wien 13. 5. 1908; seinerzeit wohnhaft Wien XVIII, Buchleitengasse 8; Besuch der Technisch-Gewerblichen Bundeslehranstalt Mödling; 1927-1929 ao. Hörer an der Technischen Hochschule Wien, 1929-1932 ordentlicher Hörer; 1932-1934 Meisterschule für Archi­tektur bei Prof. Alfred Keller (Zeugnis 11.7. 1935); am 14. 12. 1935 Promotion zum Dr. techn. mit einer Dissertation über „Grundsätzliches zum Bau von Volksbildungsstätten“; 1937 nach Groß­britannien ausgewandert; 1947 Erwerb der britischen Staatsbürgerschaft; 5. 4. 1949 member FRT BA; 2. 12. 1964 member Hongkong Society of Architects; 1969 Civil Trust Award. Büroanschrift: W.H. Marmorek and Associates, Chartered Architects, 10-11, Gray’s Inn Square, London WC1R 5JD (freundliche Mitteilung Dr. Juliane Mikoletzky, Archiv der Technischen Universität Wien). Wimmer, Lothar: Zwischen Ballhausplatz und Downingstreet. Wien-München 1958, S. 171. Der österreichische Gesandte in Paris, Heinrich Schmid, überreichte sein Beglaubigungsschreiben als Botschafter am 18. 12. 1951 dem französischen Staatsoberhaupt, der Gesandte in Washington, Max Löwenthal-Chlumetzky am 13. 2. 1952 dem Präsidenten der USA. Die österreichische diplomatische Vertretungsbehörde in London ist damit historisch nach Paris (18. 12. 1951) die zweite Botschaft der Republik Österreich; in der Ersten Republik wurden keine Botschaften unterhalten. Zuvor war die Mission in London von 1815 bis 1849 und 1860 bis 1914 im Rang einer k. k. bzw. k. u. k. Botschaft gestanden. 40

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