Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

Von Chandos House zum Beigrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815-1997 beschleunigt zum Abschluß zu bringen“, verwies Franckenstein vorsichtshalber darauf, daß es ganz unmöglich ist, dem Wunsche der ungarischen Gesandtschaft durch Ausfol- gung eines Teiles der Möbel des österreichischen Gesandtschaftsgebäudes ... Rechnung zu tragen. Der Erfolg meiner hiesigen Tätigkeit und aller langwierigen Vorbereitungen, die zum Gelingen der großen Anleihe113 beigetragen haben, beruhten zum Teil auf der zweckmäßigen Verwendung des Gesandtschaftsgebäudes und auf dem Ansehen, das die­ses der hiesigen österreichischen diplomatischen Vertretung gab ... Großbritannien war für uns der große Helfer in der Not, London ist das wichtigste finanzielle und wirtschaft­liche Zentrum und die Hauptstadt des mächtigen britischen Weltreiches. Durch die rich­tige Verwendung der Gesellschaftsräume des Gesandtschaftsgebäudes, mit deren Re­staurierung ... das Bundesministerium für Äußeres sich einverstanden erklärt hat, könnte für Österreich in größerem gesellschaftlichen Ausmaße Propaganda gemacht wer­den ... Es ist klar, daß durch eine Teilung des Mobiliars die Verwendung der betreffen­den Räume fast unmöglich wird und daß auch den Ungam durch Überlassung unvoll­ständiger Garnituren nicht gedient wäre114. Im Oktober 1923 wurde die Gesandtschaft London in Sachen Mobiliar angewie­sen115, daß ... die Übernahme des Gebäudes ... durch die österreichische Regierung welche Über­nahme übrigens den einzigen Fall einer Übernahme der österreichisch-ungarischen Mis­sionsgebäude durch Österreich darstellt - von allem Anfang samt dem dazugehörigen staatlichen Inventar und so verstanden wurde, daß Ungam für seinen Anteil bei der endgiltigen Auseinandersetzung über das österreichisch-ungarische Vermögen im Aus­lande entschädigt werden würde. Die kgl. ungar. Regierung ... hat hiegegen nie Einwen­dungen erhoben ... Da das Mobiliar bereits im Jahre 1919 auf rund LSt. 10 000 geschätzt worden ist, so hätten wir wie vertraulich bemerkt sei, an einer neuen Schätzung nur dann ein Interesse, wenn mit Grund anzunehmen wäre, daß sich nunmehr ein wesentlich ge­ringerer Schätzungsbetrag als damals ergeben würde ... Die ungarischen Ansprüche auf den Anteil der Mietrechte am Palais in London wurden schließlich erst 1934 geregelt. Das Inventar der k. u. k. Konsulate in Groß­britannien wurde verkauft, der Erlös von 105 LSt. aufgeteilt und der ungarischen Gesandtschaft 38 LSt. 4 sh. 5 p. überwiesen. Das Tafelsilber der Londoner Botschaft im Schätzwert von 2 500 LSt. verblieb Österreich, während das Tafelsilber der ehe­maligen k. u. k. Botschaft Paris an Ungarn fiel. XIV. Auseinandersetzung mit Ungarn um die Mietrechte am Palais bis 1934 Ein langwieriges Kapitel bildete die Auseinandersetzung zwischen Österreich und Ungarn über die Mietrechte am Londoner Gesandtschaftspalais. Dabei war Öster­reich in der Lage des beatus possidens. Am 26. Februar 1923 war in Budapest in Franckenstein meint die Völkerbundanleihe von 1923; Franckenstein war Vorsitzender der Loan Commission, die aus Franckenstein, Peter Bark einem ehemaligen kaiserlich russischen Finanzmi­nister und damaligen Bankmanager in London, und Mr. Nixon vom Völkerbund bestand. Siehe Franckenstein: Facts and Features of my Life, S. 252 f. AdR Wien, BMfAA, NAR, Fach 6, London ZI. 1472/A an BKA-AA vom 14. 8. 1923. AdR Wien, BMfAA, Abt. 14-HP, Liquid. Sachdemobilisierung 61, BKA-AA an Botschaft London ZI. 40078/21 vom 6. 10. 1923. 33

Next

/
Oldalképek
Tartalom