Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen lieh zwei Aspekte, die Bestandsgeschichte und die brandenburgisch-preußische Lo­gengeschichte, erörtert werden. Die Geschichte der Freimaurerei in Brandenburg ist eine Terra incognita. Dazu trugen die Logen selbst bei, weil sie ihre Archive für Profane, also Nichtfreimaurer, ja selbst für Brüder anderer Logensysteme verschlos­sen hielten. Daher erfolgte in der Vergangenheit die genuin masonische Geschichts­schreibung in der Regel aus der Sicht jeweils eines Systems. Zugänglich waren indes Freimaurerakten anderer Provenienz, besonders der Herrscher und der Ministerien. Auf ihrer Grundlage entstanden materialreiche, keineswegs überholte Darstellungen des Gold- und Rosenkreuzerordens, einer im späten 18. Jh. in Preußen politisch agierenden freimaurerähnlichen Vereinigung (Paul Schwartz, Johannes Schultze u. a.). Nach der Beschlagnahme der Logenarchive und Bibliotheken im Dritten Reich erschienen einige quellenfundierte, aber tendenziöse, die nationalsozialistische Verschwörungsthese stützende Arbeiten Die Auslagerung gegen Kriegsschluß unter­brach für Jahrzehnte jede Nutzungsmöglichkeit. Die UdSSR übergab die von ihr 1945 in Schlesien beschlagnahmten Freimaurer­bestände 1957 an die DDR, wenn auch nicht vollständig, weil sie beträchtliche Teile, auch Bücher, als Beutegut zurückhält. Dazu gehören vermutlich die frühesten Proto­kolle der ersten Berliner Loge Zu den drei Weltkugeln, deren natürlicher Großmei­ster Friedrich II. war. Allerdings wiesen einige Logenarchive schon früher Lücken auf, so z. B. die Schwedter Loge Tempel der Tugend 1782-1798. Weitere Verluste entstanden bei der Schließung der Logenhäuser und während der Verlagerung. Die deutschen Logen bewahren nur Splitter ihres Archivgutes auf, meist von Freimau­rern vor der Beschlagnahme oder Vernichtung bewahrte Materialien. Im Jahre 1974 erging auf Initiative der Akademie der Wissenschaften an das Zen­trale Staatsarchiv in Merseburg der Auftrag, die Logenbestände zu erschließen, um sie für Forschungen zur deutschen Aufklärung und zur bürgerlichen Gesellschaft 1740-1832 nutzen zu können. In diesen Umkreis gehört Gerhard Steiners grundle­gende Arbeit über den Freimaurer und Rosenkreuzer Georg Forster (1985), die sich auf Merseburger Freimaurerarchivalien stützt. Die schwierige archivarische Er­schließung der Freimaurerbestände war Ende der achtziger Jahre abgeschlossen, und ab 1990 ist ihre Benutzung möglich. Die Autorinnen befaßten sich bei der Aktenbe­arbeitung mit der verwickelten freimaurerischen Geschichte. Sie waren auf ältere Literatur angewiesen, mit all ihren Vorzügen und Mängeln. Daher gerieten unver­meidlich Irrtümer in die Darstellung. Einer soll erwähnt werden. Der preußische Kriegskommissar Johann Christian Schubart, ein Wegbereiter des Templerordens der Strikten Observanz, erhielt von Joseph II. den Reichsadel eines Edlen von Klee­feld erst nach seinem Bruch mit der Freimaurerei und den nunmehr begonnenen landwirtschaftlichen Reformen; ebensowenig war der Preisträger der Berliner Aka­demie der Wissenschaften ihr Mitglied. Abgesehen von solchen sicher geringfügigen Mängeln, führen die historischen Passagen übersichtlich und zuverlässig in eine komplizierte Materie ein. Die Autorinnen behandeln in den historischen Einführun­gen der Großlogen ausführlich deren Entstehung und Entwicklung, Organisation, Registratur und Bestandsgeschichte einschließlich der Stiftungen und Vereinigun­316

Next

/
Oldalképek
Tartalom