Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
Dänischen Krieg (Klaus Koch), den Kolonialkriegen (Erwin A. Schmidl) bis zum totalen Krieg (Gustav Däniker) und der Kubakrise (Heinz Magenheimer). Der Herausgeber der Reihe selbst befaßte sich mit den historischen Dimensionen des „Low Intensity Conflict“. Aus Anlaß des 200. Todestages von General Gideon Ernst Freiherr von Loudon wurde diese Tagung abgehalten, nachdem dieser auch als „Meister des kleinen Krieges“ bezeichnet wurde und in der Übergangsphase vom Kabinettskrieg des 18. Jh. zum „levée en masse“ der Ära Napoléon lebte. Wie die Herausgeber einleitend fest- halten, erschien Loudon daher als „Leitfigur“ für die in diesem Band gesammelten Aufsätze. Mit dem zweiten Sammelband wurden überarbeitete und ergänzte Vorträge einer Tagung vom Oktober 1990 in der Diplomatischen Akademie in Wien publiziert, bei der Historiker und „Wissensträger“ geladen waren. Das Erbe von Krieg und Nachkriegszeit (Mario Duic), die strategischen Rahmenbedingungen im Zeichen des Ost- West-Konflikts (Hannes-Christian Clausen, Franz Freistetter), die operativen Konzepte nach dem Ende der Besatzungszeit und des neuaufgebauten Bundesheeres (Otto Heller) und seine Verankerung in der Politik (Peter Gerlich) werden beleuchtet wie auch finanzielle (Ernest König), rechtliche (Hans Penkler), materiellorganisatorische (Berndt-Thomas Kraffi) und personelle Aspekte (Walter Strauss) sowie Imageprobleme (Udo Rumerskirch) erörtert. Hervorzuheben ist der Beitrag von Clausen (Österreich und das strategische Konzept des Westens 1955-1970) sowie die Artikel von Heller (Die „Schild-Schwert“- These und die Neutralen) und Rauchensteiner (Landesverteidigung und Außenpolitik - feindliche Brüder?). Abgesehen von der bekannten Äußerung Kreiskys, der eine gute Außenpolitik als beste Sicherheitspolitik bezeichnete, zeigt Rauchensteiner, wie stark die militärische Komponente in dieser Art von „Sicherheitspolitik“ zurückgedrängt worden ist. Die einzelnen Beiträge beleuchten die Schwierigkeiten beim Aufbau des Bundesheeres unter den Verteidigungsministern Ferdinand Graf (1955- 1961), Karl Schleinzer (1961-1964) und Georg Prader (1964-1970). Deutlich wird, daß in der Ära der Großen Koalition das Proporzreglement das Bundesheer stark erfaßt hatte. In der Bevölkerung gab es gegen das Bundesheer große Vorbehalte, weshalb in der Ära der Großen Koalition und auch unter der Alleinregierung Josef Klaus das Akzeptanzproblem schwer wog. Das sicherheitspolitische Schicksal von 1955 bis 1970 war aber dem glücklichen Österreich günstig gesonnen. Aufgrund des Fehlens eines militärischen Großkonflikts in Europa wurde das Bundesheer nie ernsthaft gefordert. Insgesamt ergibt sich für die Frage des Werts Österreichs im strategischen Kalkül des Westens für jenen Zeitabschnitt, in dem das Bundesheer aufgebaut wurde und es erste Krisen erlebte, ein zwiespältiger Gesamteindruck: Weitgehend unabhängig von den politischen Entwicklungen lassen sich die taktischoperativen Erwägungen des Westens mit Blick auf Österreich relativ leicht nachvollziehen. Wiederholt war über diverse Kontakte in Erfahrung zu bringen, daß die NATO durchaus konkrete Zeit- und Raumbewertungen Österreichs in ihren operativen Planungen mitberücksichtigte. Clausen trifft den Nagel wohl auf den Kopf, Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen 314