Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen krutierten ein. Das letzte Kapitel konzentriert sich auf die Auflösung des Lagers, die „Evakuierung“ der Häftlinge in die Konzentrationslager Mauthausen und Ebensee. Evakuierung hieß in diesem Falle vielfach Vernichtung, wobei die Schwerkranken sofort ermordet wurden. Der Autor, der gemeinsam mit Karl Stuhlpfarrer und Florian Freund über das Ghetto Lodz gearbeitet hat und durch diverse Vorarbeiten ausgewiesen ist, legt mit diesem Werk ein beeindruckendes Beispiel an moderner zeitgeschichtlicher Darstel­lung vor, die organisations-, Struktur-, biographie- und alltagsgeschichtliche Elemen­te in sich vereint. Während in den Regionalstudien von Stefan Karner über Kärnten und die Steiermark und Harry Slapnicka über Oberösterreich die Analyse der Rolle der ausländischen Arbeitskräfte nur einen Nebenaspekt bildete, rückt Perz diese Fragestellung u. a. in den Mittelpunkt seiner Ausführung. So konnte Perz eine ganze Reihe von Interviews mit früheren Häftlingen führen, wie auch schriftliche Berichte von ehemaligen KZ-Insassen erfassen. Der Autor verwertete daneben auch eine Vielzahl von Archivquellen aus Österreich, der Bun­desrepublik Deutschland, der ehemaligen DDR, Großbritannien, Polen, Italien und den USA. Bemerkenswert ist, daß die Steyr-Daimler-Puch AG die Einsicht in Unter­lagen zum Projekt Quarz dem Autor gewährte und damit auch eine Auseinanderset­zung mit ihrer eigenen Vergangenheit ermöglichte, wie Perz einleitend erwähnt. Hervorhebenswert sind ferner ein Anhang mit statistischem Datenmaterial, Über­sichten über die Verlagerungen von Häftlingen neben den Transporten, Fluchtmel­dungen der SS und Evakuierungstransporte aus dem KZ Melk. Die Darstellung wird durch eine Reihe eindrucksvoller und zugleich erschütternder Bilder untermauert. Zahlreiche instruktive Tabellen und Grafiken unterstreichen auch die von Perz re­cherchierten Befünde. Michael Gehler, Innsbruck Rauchensteiner, Manfried-Schmidl, Erwin A. (Hrsg.): Formen des Krieges. Vom Mittelalter zum „Low-Intensity-Conflict“. Graz-Wien-Köln: Verlag Styria 1991 (Forschungen zur Militärgeschichte 1). 207 S. Rauchensteiner, Manfried - Etschmann, Wolfgang (Hrsg.): Schild ohne Schwert. Das österreichische Bundesheer 1955-1970. Graz-Wien-Köln: Verlag Styria 1991 (Forschungen zur Militärgeschichte 2). 298 S. Die Beiträge des ersten Bandes beinhalten alle Vorträge, die bei der Tagung „Formen des Krieges“ im Juni 1990 abgehalten wurden. Zwei ergänzende Beiträge kamen noch hinzu, die aus Referaten vom Österreichischen Historikertag in Linz im September 1990 stammten. Die Aufsätze widmen sich aus unterschiedlichen Per­spektiven spezifischen Elementen, d. h. verschiedenen Erscheinungs- und Verlaufs­formen „des Krieges“ der letzten Jahrhunderte. Vom Mittelalter (Leopold Auer, Johannes Kunisch) über das 18. Jahrhundert (Christopher J. Duffy), dem Deutsch­313

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