Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
In neun Großkapiteln wird ein historisches Panorama entworfen: vom „pays d’entre deux“, dem Land zwischen zwei Staaten, in dem sich die keltischen Stämme der Mediomatriker und der Leuquer angesiedelt hatten, über die schwierigen Anfänge des Herzogtums Lothringen (zwischen 1048 und 1339), seine Unabhängigkeit (1544-1609), die französische Besatzung während der Regentschaft Karls IV., der nach Kapitulation und abenteuerlicher Flucht ins Reich zugunsten seines Neffen Karl V. auf die Herrschaft verzichtete, bis zum großen europäischen Ländertausch im Gefolge des polnischen Thronfolgekrieges und der Verwirklichung des „lang erwogenen Projekts der lothringisch-habsburgischen Heirat“. Fundiert recherchierte Fakten und Details, ausführliche Anmerkungen, ein umfassendes Literatur- und Personenverzeichnis sowie eine Übersicht der Herzoge und Regenten Lothringens runden die einfühlsam rekonstruierten Lebensbilder zur Geschichte einer Region mit völkerverbindender Dimension ab. Alexandra Eimer, Wien Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen Sternfeld, Albert: Betrifft: Österreich. Von Österreich betroffen. Wien: Verlag Locker 1990, 257 S. Bereits einige Jahre sind seit dem Erscheinen des vorliegenden Bandes im Jahr 1990 vergangen. Die Gründe, warum eine Besprechung in den Mitteilungen erst sieben Jahre später erfolgt, also zu einem Zeitpunkt, zu dem dieses Buch möglicherweise im Handel gar nicht mehr erhältlich ist, beruhen auf einem Mißverständnis oder Versäumnis des Rezensenten, wofür ich mich vorerst beim Autor und Verlag entschuldigen möchte. Warum dieser Band doch noch vorgestellt werden soll, liegt daran, daß er auch Jahre danach (leider) nicht an Aktualität verloren hat. „Betrifft: Österreich.“ Kennt man den Verfasser nicht, erkennt man auf den ersten Blick nicht, wovon dieser Band eigentlich handelt. Weder Untertitel noch grafische Gestaltung des Einbandes geben einen wirklichen Hinweis darauf, daß es hier um die Themenbereiche Judenvertreibung, Entrechtung und Vernichtung der Juden unter den Nationalsozialisten sowie um das leidvolle Thema der Wiedergutmachung nach dem Ende des 2. Weltkrieges bis hervor in die Gegenwart geht. Dabei verhilft die gegenwärtig in den Medien geführte Diskussion um nicht geleistete Lebensversicherungszahlungen dem vorliegenden Band zu unfreiwilliger Aktualität. Zur Person Albert Sterafeld: 1925 in Wien geboren, mußte er im Dezember 1938 als Jude mit einem Flüchtlingstransport für Kinder Österreich verlassen. Nach zwei Jahren in England verbrachte der Vf. die folgenden Jahre in Tel-Aviv, bevor er 1966 nach Wien zurückkehrte. Nicht so sehr die Vertreibung aus Wien hat der Vf. in den Vordergrund seiner Ausführungen gestellt, sondern seine Berührungen und persönlichen Erfahrungen mit Gesellschaft und Politik im Zuge seiner Rückkehr nach Wien: Er berichtet von den Schwierigkeiten seitens der Behörden bei der Anrechnung seiner Schulzeiten sowie von den Hindernissen bei der Erlangung der österreichischen Staatsbürger308