Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen lothringische Region schon seit längerem zunehmend auf ihre Geschichte besinnt. Erste starke Impulse gaben neben anderen schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Augustin Dom Calmet mit seiner Geschichte Lothringens und - auf sentimental-nationaler Ebene-zu Ende des vorigen Jahrhunderts Maurice Barrés (f 1923), der vieldiskutierte Schriftsteller und Politiker. Franz Pesendorfer hebt hier hervor, daß die heutige lothringische Geschichts­schreibung weit über dem Niveau lokaler, sogar regionaler Historiographie liege: Lothringen wird in die großen supranationalen und multikulturellen Zusammenhän­ge europäischer Geschichte und Politik gestellt, wobei aufgrund der geographischen Grenzlage häufig das zentrale Thema der französisch-deutschen Beziehungen mit eingebunden wird. Daher stießen diese Publikationen sowohl in Paris, als auch im Elsaß und in den deutschsprachigen Gebieten jenseits der Grenze auf großes Interes­se und setzten einen mehr oder weniger intensiven Austausch von historischen Er­kenntnissen, Klarstellungen und Beurteilungen in Gang. Ganz anders hingegen die Reaktion in Österreich. Dazu Franz Pesendorfer: Was in Lothringen in der historischen Forschung geleistet wurde, drang offensichtlich nur selten über den benachbarten deutschsprachigen Ländergürtel hinaus bis nach Öster­reich vor. Die gebildeten Schichten der Donaurepublik nahmen kaum zur Kenntnis, wie die lothringische Geschichtsschreibung den großen Anteil Österreichs an dem Schicksal des Landes an Maas und Mosel, beginnend mit Rudolf I. bis zu Kaiser Karl VI. [. . .] im einzelnen und insgesamt beurteilte. [...] Die Österreicher haben sich im Grunde nicht erst in unserer Generation, sondern über­haupt kaum jemals intensiver mit Lothringen befaßt, nicht einmal damals, als sie Anlaß hatten, dies zu tun, bei der Heirat Maria Theresias mit dem Herzog Franz Stephan. [... ] Der Lothringer an ihrer Seite wurde meist nur flüchtig wahrgenommen, sein An­teil an der gemeinsamen Regierung stark abgewertet. In der Dynastie freilich blieb das Wissen um die Bedeutung der lothringische Herkunft lebendig. Kaiser Franz Joseph etwa förderte den Bau der neugotischen Kirche St. Epvre in Nancy, Otto von Habsburg, der derzeitige Chef des Hauses, heiratete in der Hauptstadt Lothringens. Österreichische Forscher zeigten bisher allerdings kaum Interesse, sich mit Loth­ringen näher zu befassen. Das überrascht einigermaßen, da aus dem Familienarchiv Franz Stephans eine große Anzahl wichtiger Quellen zur lothringischen Geschichte im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegt. Franz Pesendorfer endlich hat sich auf den Weg nach Lothringen gemacht, das Land bereist und studiert. Sein Anliegen ist es, die Geschichte dieser Region und der Vorfahren Franz Stephans besser kennenzulernen. Dessen Nachkommen regierten Österreich (-Ungarn) fast eineinhalb Jahrhunderte lang und prägten das Schicksal von mindestens fünf Generationen in Österreich und anderen Ländern des Vielvöl­kerreiches entscheidend. Damit rechtfertigt der Autor auch sein Bestreben, dem Weg der lothringischen Vorfahren nachzuspüren, eine Antwort auf die Frage zu suchen, welche Eigenschaften und Charakterzüge die Herzoge dieser seit 1048 regierenden Familie besaßen. Seine Auswahl gilt vor allem jenen, die seit Beginn der Neuzeit in Nancy regierten und von denen lediglich Franz Stephans Großvater, der Türkensie­ger Herzog Karl V. (f 1690) in Erinnerung blieb. 307

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