Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen Burt Raymond L.: Friedrich Salomo Krauss (1859-1938). Selbstzeugnisse und Materialien zur Biobibliographie des Volkskundlers, Literaten und Sexualforschers mit einem Nachlaß Verzeichnis. Mit einem Beitrag von Michael Martischnig, „Zum 50. Todestag von Friedrich Salomo Krauss (Salomon Friedrich Krauss). Eine Nachlese. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 1990 (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Phil.-hist. Klasse, Sitzungsberichte 549, Mitteilungen des Instituts für Gegenwartsvolkskunde, Sonderband 3). 243 S. Der Leser der vorliegenden Publikation ist gut beraten, wenn er die Lektüre mit dem gleichsam als Anhang anzusehenden Beitrag von Michael Martischnig beginnt. Martischnig nämlich gibt in diesem nicht nur einen zusammenfassenden Überblick über Krauss’ Leben, sondern er bietet darüber hinaus auch eine kritische Würdigung Krauss’ als ethnographisch-folkloristischer Sexualwissenschaftler und weist ihm auch hinsichtlich seiner Bedeutung und Wirkung seinen Platz in der scientific community zu. Erst vor diesem Hintergrund - in Kenntnis verschiedenster Zusammenhänge - gewinnt die Arbeit von Burt an entsprechender Plastizität. Denn Burt spricht den geistes-, kultur- und sozialgeschichtlichen Hintergrund, vor dem sich Krauss’ Entwicklung vollzieht, in seinem Vorwort lediglich punktuell an, und auch in seinem Schlußwort findet sich nur eine sehr knappe Würdigung Krauss’ als Wissenschaftler. Dies mag auch damit Zusammenhängen, daß Burts mit dieser Publikation verbundene Intentionen andere waren. Burt, der in den frühen 1980er Jahren als Student der Germanistik und Folklore in Los Angeles auf den Nachlaß von F. S. Krauss gestoßen war und der in der Folge auch in Österreich Nachforschungen über Leben und Wirken angestellt hatte, wertet in seiner Arbeit nämlich erstlinig diesen von ihm geordneten Nachlaß aus. Er läßt durchwegs F. S. Krauss selbst zu Wort kommen, und so stellt sich die Publikation als eine ausgewählte Zusammenstellung autobiographischer Passagen, angereichert und ergänzt durch Zitate aus Krauss’ Korrespondenz dar, die hin und wieder durch kürzere - vereinzelt auch durch etwas längere und dann verschiedentlich die Sichtweise Burts widerspiegelnde - Überleitungen verbunden sind. Die Auswahl, die Burt trifft, ist hierbei zweifellos subjektiv, doch gewinnt man eigentlich nie den Eindruck, daß er hiermit irgendeine manipulative Intention verbindet. Dies spricht zweifellos für die Arbeit. Zu monieren wäre bestenfalls, daß Burt sich in seinem Anmerkungsapparat äußerste Beschränkung auferlegt und - mit einer Ausnahme - Krauss’ Sichtweise der Dinge weder kommentiert noch gegebenenfalls zurechtrückt. Auch deshalb lohnt es sich, wie eingangs bemerkt, die Lektüre mit Michael Martischnigs Beitrag zu beginnen. Soweit es den Aufbau der Arbeit betrifft, hat Burt für die Zusammenstellung der autobiographischen Quellen, die der Autor selbst als Selbstzeugnisse und Materialien bezeichnet, folgende Kapiteleinteilung getroffen, die in ihrer Gewichtung in gewisser Weise seine Schwerpunktsetzung offenkundig werden läßt: „Kindheit und Jugend“ (S. 9-18), „Studienzeit in Wien“ (S. 18-23), „Die Forschungsreise 1884302