Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
HÖDL, Sabine: Eine Suche nach jüdischen Zeugnissen in einer Zeit ohne Juden. Zur Geschichte der Juden in Niederösterreich von 1420 bis 1555
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45/1997 - Rezensionen Die Anregungen hierzu lieferten die einzelnen Referate, die in vier großen Blokkén präsentiert wurden: Staatsstruktur und Staatsbewußtsein, Gesellschaft und Wirtschaft, Elemente der politischen Kultur, Der Blick aufeinander. Die jeweiligen Beiträge befassen sich mit spezifischen Aspekten von Staatsbildung und Modernisierung, wobei u. a. der Blick auf Bürgertum (Ernst Bruckmüller) und Unternehmerschaft (Klaus Tenfelde) ebenso gerichtet wird, wie etwa auf Besonderheiten und Gemeinsamkeiten in der Sozialpolitik (Jürgen Reulecke; Margarete Grandner). Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch die beiden Beiträge von Helmut Rumpler und Wolfgang J. Mommsen, welche die gegenseitige Wahrnehmung und Einschätzung der beiden Kaiserreiche beleuchten. Bei aller Problematik der Vergleichbarkeit werden in den einzelnen Beiträgen interessante Aspekte angesprochen, die deutlich machen, daß - wie es Hagen Schulze in der Schlußdiskussion auf den Punkt brachte - „im Verlauf der Tagung bei der Suche nach den zwei Verwirklichungen einer Vielzahl staatlicher Daseinsmöglichkeiten, denn in Mitteleuropa haben sich viele Geschichten abgespielt, nicht nur eine, daß [...] auf der Suche nach diesen vielen Geschichten neben Bekanntem [...] eine ungeahnte [...] überraschend umfangreiche Zahl weißer Flecken“ erkennbar wurde. Sie sind „ein starkes Argument dafür, die Konferenz nur als einen Auftakt vieler künftiger Treffen und als Ermunterung zu verstärkten sowohl organisierten als auch individuellen Forschungstätigkeiten zu betrachten.“ (S. 246/247) Eine Feststellung, der nichts hinzuzufügen ist. Helmut Alexander, Innsbruck Epigraphik 1988, hrsg. von Walter Koch. Wien: Verlag der Österreichische Akademie der Wissenschaften 1990. (Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 213), 365 S., zahlr. Abb. Eine eingehendere Beschäftigung mit der Epigraphik wie mit den übrigen historischen Hilfswissenschaften wird wohl stets eine Sache der „happy few“ bleiben. Dessen ungeachtet stellen Inschriften eine eminent wichtige Quellengattung dar, deren Erforschung nach wie vor vermehrter Anstrengungen bedarf, „pour que 1’épigraphie joue pleinement son röle de source de Thistoire“, wie es Robert Favreau in seinem Beitrag (S. 89) formuliert. Der hier anzuzeigende Band, der die Beiträge einer 1988 abgehaltenen Fachtagung der Inschriftenkommission der Akademie - nach Referaten und Diskussionsbeiträgen getrennt - zur Veröffentlichung bringt, ist das Ergebnis solcher Anstrengungen. Seine Themen sind weit gestreut. Die einzelnen Beiträge reichen zeitlich vom Hochmittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, geographisch von Irland bis Polen. Im Beitragsteil geht es - etwa in den Referaten von Friedrich Wilhelm Leitner (Inschriftendenkmäler als historische Quelle für die Landesgeschichtsforschung, S. 27-56), Robert Favreau (Les inscriptions médiévales - reflet d’une culture et d’une foi, S. 57-89) und Madeleine F. Braekman (La contribution de 1’épigraphie 298