Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

lais selbst an Wert gewinnen, da zwei lichte und in jeder Hinsicht ausgezeichnete Kanz­leiräume hinzukämen ...74 Diesmal war Wien zwar „... mit dem vorgelegten Projekte ... im Prinzip unter der Voraussetzung einverstanden, daß dadurch dem Zwecke vollkommen entsprechende Amtsräume geschaffen werden“, aber da der Voranschlag für das laufende Jahr von den Delegationen noch nicht genehmigt worden war, wurde das Projekt vorerst zu­rückgestellt75. Nach Abschluß der Delegationssession kam Mensdorff im November 1910 auf seinen Antrag zurück, ersuchte, „den erforderlichen Bankkredit von LSt. 500 flüssig machen zu wollen“, und teilte mit, daß er Anfang 1911 mit den Arbeiten beginnen wolle76. Die Mittel wurden noch im Dezember 1910 zur Verfü­gung gestellt. Dann trat eine Verzögerung ein, denn kurz vor Baubeginn am 1. Februar 1911 stellte sich allerdings heraus, „daß ... in dem Projekte die Anlage eines Abortes nicht vorgesehen ist. Da in diesem neuen Aufbaue mindestens drei Personen untergebracht sein werden, ist es mißlich, ihn ohne Abortanlage zur Aus­führung zu bringen ...“ Der Einbau eines WC würde Mehrkosten von 39 LSt. verur­sachen, allerdings würde bei Anlage eines WC im 1. Stock „die Länge des verfügba­ren Raumes auf 6, 40 m verringert, so daß an die Teilung desselben in 2 Zimmer nicht mehr gedacht werden kann ... “77 Die neuen Probleme kamen Wien sehr ungelegen, und der Minister eröffnete dem Botschafter in London, daß die beiden Zimmer im zweiten Stock für den Militär- und den Marineattaché zu ver­wenden sein werden, da ich dem Reichskriegsminister über dessen wiederholt geäußerten lebhaften Wunsch die Zusicherung zu geben beabsichtige, den k. u. k. Militär- bzw. Ma- rineattachés wo irgend tunlich, Kanzleien in den Missionspalais einzuräumen ... Wien schlug daher vor, Militär- und Marineattaché zusammen ein großes Zimmer im 1. Stock zuzuweisen und der Botschaftskanzlei je eines der Zimmer im zu errich­tenden 2. Stock. Das Klosett sollte irgendwo anders eingerichtet werden, um durch den Umbau vier neue Zimmer zu gewinnen78. Schließlich wurde das Klosett in das Erdgeschoß neben das Schlafzimmer des Amtsdieners verlegt, wofür Kosten von 55 LSt. aufliefen. Mitten in die Umbauarbeiten fielen die Krönungsfeierlichkeiten von König Geor­ge V. Bei dieser Gelegenheit wurden im Botschaftspalais neue Gardinen montiert, die Vergoldung erneuert, neue Möbelüberzüge angeschafft, Strom im Archiv- und Stallgebäude eingeleitet, neue Bodenbeläge in den Fremdenzimmern gelegt-und 3 Minimax Feuerlöscher angeschafft. Die Gesamtkosten beliefen sich auf LSt. Rudolf Agstner HHStA Wien, AR, Fach 6/87, Bericht Nr. XXII an MdÄ vom 15. 3. 1910. 75 Ebenda, MdÄ Erlaß ZI. 17122/2 vom 12. 4. 1910. 76 Ebenda, Bericht Nr. CXXVIII-A-C an MdÄ vom 19. 11. 1910. 77 Ebenda, Bericht Nr. XI an MdÄ vom 24. 1. 1911. 78 Ebenda, MdÄ Erlaß ZI. 6186/2 vom 8. 2. 1911. 22

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