Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)

AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997

129. 2. 2 oder 3 101,18 Kronen79. Kaum eine Woche nach diesen außerordentlichen Auslagen erinnerte sich Botschafter Mensdorff daran, daß es sich schon zur Zeit meines Vorgängers sowie seither wiederholt als ein sehr fühlbarer Mangel erwiesen hat, daß in dem zahlreiche Wohnräume in 3 Stockwerken aufweisenden Palais sich nur ein Badezimmer (im 2. Stock) befindet... war und ist es notwendig, den einzelnen Familienmitgliedern oder Gästen kleine tragbare Wannen in die Zimmer zu stellen. Der Transport des Wassers von den Reservoirs bei der Gesindestiege über den langen Gang in die Zimmer sowohl als die Benützung der Badewannen in den Zimmern ist natürlich den Fußböden und Teppichen sehr abträglich ... Mensdorff beantragte daher, zu Kosten von 83 LSt. ein Badezimmer in der ser­vants pantry im 3. Stock einzubauen, und erklärte sich bereit, zu den Kosten mit 20 LSt. beizutragen, was vom Ministerium genehmigt wurde. Als das Badezimmer schlußendlich nur 54 Lst. 10 sh. 9 p. kostete, reduzierte Mensdorff seinen Beitrag auf 15 LSt.80. Der Neubau wurde am 1. Juni 1911 zur Benützung übergeben81. In diesem standen nunmehr zur Verfügung: 1) das große Parterrezimmer (ehedem Schlafraum des Amtsdieners), in welchem der Kommerzdirektor untergebracht ist 2) zwei Zimmer im 1. Stock (ein Schreibzimmer und ein Empfangszimmer) 3) zwei Zimmer im 2. Stock für Militär- resp. Marineattaché, welch letzere aber nicht eingerichtet sind. Die reinen Baukosten ... deren Erhöhung auf LSt. 689. 15. 0 bewilligt wurde, sind nicht überschritten worden ... Die Verwendung des Parterrezimmers als Bureau des Kommerzdirektors machte kostspielige Reparaturen des Fußbodens, der Sesselleisten, der Türen und des Ofens notwendig ... Für die Möblierung konnte mit dem veranschlag­ten Betrage von LSt. 80 das Auslangen gefunden werden ...“ Mensdorff ließ das neue Gebäude auf 800 LSt. und das Inventar auf 200 LSt. ver­sichern. Im Herbst 1911, kaum nach Fertigstellung des Anbaues, hatte Mensdorff ein neues Anliegen, das die 1905 renovierten und tapezierten Kanzleiräume betraf: ... In den beiden Kanzleiräumen und Dienerzimmem sind die bestehenden offenen Kamine des schlechten Zuges wegen mit ein Grund warum nicht nur Tapeten und licht­gestrichene Holzteile sehr gelitten haben, sondern auch Akten, Papiervorräte und derglei­chen absolut nicht rein gehalten werden können. Sowohl täglich beim Feuermachen als bei starkem Wind schlägt der Rauch in die Zimmer und macht das Verweilen in densel­ben vorübergehend unmöglich; Möbel, Papier etc. aber wird mit einer Rußschichte über­deckt. Mensdorff beantragte daher die drei offenen Kamine durch Anthrazitöfen zu erset­zen, die sich in dem heuer fertiggestellten Anbau sehr bewährt haben und viel besser und billiger heizen als offene Kamine ... Die 5 Schreibtische sowie jener des Botschaftsrates bedürfen eines neuen Überzuges und gründlicher Herrichtung, da sie seit vielen Jahren nicht repariert wurden. Der in dem glasgedeckten Gang zu den Kanzleien liegende Tep­pich ist unbrauchbar und wird vorteilhaft durch Linoleumbelag ersetzt werden. Desglei­Von Chandos House zum Beigrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815-1997 79 HHStA Wien, AR, Fach 6/87, Bericht Nr. XXIII-F an MdÄ vom 3. 3. 1911. Eine Krone von 1911 entspricht 1997 der Kaufkraft von 52,21 Schilling; die Kosten errechnen sich daher mit umgerech­net 169.912,60 Schilling (ÖStatZA). 80 Ebenda, Bericht Nr. XXIX an MdÄ vom 24.3. 1911 und MdÄ Erlaß ZI. 20135/2 vom 1. 4. 1911. 81 Ebenda, Bericht Nr. LXV-N an MdÄ vom 7. 7. 1911. 23

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