Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997
Von Chandos House zum Beigrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815-1997 Mensdorff ersuchte daher um Eröffnung eines Kredites von 360 LSt. und teilte mit, daß er bereits die Generalkanzlei des Herzogs von Westminster bei Vorlage des Bauplans des Architekten J. Read & Son, Builders in London (26, Little Chester Street), um die erforderliche Bewilligung ersucht habe. Das Ministerium sah die Sache als nicht so dringlich an und teilte dem Botschafter mit, „daß ... die neuerliche Einstellung der Kosten für den beantragten Aufbau eines zweiten Stockwerks auf den Kanzleitrakt großen budgetären Schwierigkeiten begegnen würde“. Dem Ministerium war es „erwünscht, wenn dem bestehenden Platzmangel in einer anderen Weise ... abgeholfen werden könnte“, wobei die Umwidmung der Fremdenzimmer vorgeschlagen wurde71. Im Dezember 1909 mußte Mensdorff berichten, daß der Nachbar auf N° 17 seine Zustimmung zur Aufstockung nicht geben wollte. Die Unterbringung der Kanzlei des Kommerzkanzleidirektors in einem der Fremdenzimmer hielt Mensdorff in jeder Beziehung für unpraktisch, da die Fremdenzimmer im 3. Stocke des Hauses gelegen sind, mit der Kanzlei gar keine Verbindung haben und nur durch eine kleine Stiege zugänglich sind, die von meinem Schlafzimmer ausgeht. Für den Empfang von Besuchen würde sich eines dieser Zimmer nicht eignen, und auch für den Kommerzkanzleidirektor wäre es fast unmöglich, mit der Kanzlei zu kommunizieren; er würde ... viel besser daran sein, wenn er seine Kanzlei bei sich zu Hause hätte ...72 Diesmal war der Außenminister überzeugt und sah Mensdorffs neuerlichem Antrag entgegen, „wobei ich betonen möchte, daß mit Rücksicht auf unsere beschränkten Budgetverhältnisse einem solchen Projekt der Vorzug gegeben würde, welches keinen bedeutenden Kostenaufwand verursachen würde ,..“73 Leider sollte sich dieser Wunsch des Ballhausplatzes nicht verwirklichen lassen. Im März 1910 berichtete Mensdorff über den neuen Plan von Mr. Read, der von keinem Nachbarn beanstandet wurde. ... Leider würden sich aber die Kosten dieses Baues bedeutend höher stellen ... Der Plan besteht in dem Aufbau eines neuen Stockwerks auf ein Zimmer, das an das admin. Archiv anschließt und gegenwärtig dem Kanzleidiener als Schlafzimmer dient. In dem aufzuführenden 1. Stockwerk könnten zwei kleine Zimmer geschaffen werden, von denen eines als Kanzlei des Kommerzdirektors, das zweite als Chiffrierzimmer zu verwenden wäre. Der Preis des Baues verteuert sich durch den Umstand, daß einige Fenster im angrenzenden Stallgebäude verbaut werden würden und man an Stelle derselben Lichtlöcher im Dache des Stallgebäudes anbringen müßte. Mr. Read schätzt die Kosten des Baues auf etwa LSt. 420, wozu noch die Einrichtungsspesen kommen, so daß die Neuinstallierung nicht unter LSt. 500 durchzuführen wäre ... Mensdorff vergaß nicht zu erwähnen, daß gegenwärtig alle die hieramts in Verwendung stehenden Konzeptsbeamten mit Ausnahme des Botschaftsrates in einem einzigen kleinen Zimmer untergebracht sind. Tatsächlich ist darin für mehr als 4 Schreibtische kein Platz vorhanden ... Wenn der Umbau bewilligt werden könnte, so würde die Botschaftskanzlei eine den gegenwärtigen Bedürfnissen vollständig entsprechende Unterkunft erhalten und auch das BotschaftspaHHStA Wien, AR, Fach 6/87, MdÄ Erlaß ZI. 92039/2 vom 26. 11. 1909. 72 Ebenda, Bericht Nr. CX-A an MdÄ vom 10. 12. 1909. 73 Ebenda, MdÄ Erlaß ZI. 97493/2 vom 20. 12. 1909. 21