Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997
Rudolf Agstner rung der Elektrizität im 3. Stockwerke und im Souterrain des Botschaftspalais, eine Neuerung, die ich sowohl der Feuergefahr des bisher verwendeten Gases als auch aus Reinlichkeitsrücksichten wärmstens befürworten möchte “ Die Kosten für Anstrich und Renovierungen waren mit 343 LSt., für die Einleitung des Stroms mit 55 LSt. veranschlagt68. Es gab aber auch andere Probleme. 1911 kam es zu einem Einbruch. Mensdorff berichtete, daß „vor einigen Tagen auf der k. u. k. Botschaft ein Einbruchsdiebstahl verübt wurde ... die Täter die Kanzleiräumlichkeiten nicht betraten, dagegen aus meinen Privaträumen zu ebener Erde eine sehr große Anzahl kostbarer Gegenstände aus meinem Privatbesitz entwendet haben. Das Staats-Silber und Staatsmobiliar ist unberührt geblieben ..." Das Ministerium sprach dem Botschafter sein Bedauern darüber aus, daß ihm ein namhafter Schaden an seinem Privatbesitz erwachsen ist, und regte „zur Verhütung ähnlicher Vorfälle gewisse Vorsichtsmaßregeln wie die Anbringung von Fenstergittern an“69. VIII. Erweiterung der Botschaftskanzlei und Umbauten 1911 Im Jahre 1911 erwies sich die Botschaftskanzlei nach dem Eintreffen von Kommerzkanzleidirektor Legationsrat Ippen als zu klein, darüber hinaus erschien Botschafter Mensdorff die Gelegenheit günstig, einige Mängel des Botschaftspalais zu beheben. Schon 1909 hatte er dem Ministerium berichtet, daß der 1892 angebaute kleine Trakt für die Botschaftskanzlei aus 3 Zimmern besteht, von denen 2 im Erdgeschoß liegende als Archiv und Kanzlei der administrativen Gegenstände dienen, wogegen der im 1. Stock gelegene Raum von den 3 Konzeptsbeamten genutzt wird. Der Botschaftsrat hat ein im alten Hause liegendes Zimmer neben der Bibliothek, die ich als Schreibzimmer benütze. Hiemit sind alle für Kanzleizwecke zu verwendenden Räumlichkeiten des Botschaftspalais erschöpft und es ist mir daher nicht möglich, dem Kommerzdirektor LR Ippen eine Kanzlei auf der Botschaft anzuweisen. Außerdem fehlt ein Chiffrierzimmer, was zu Störungen im Kanzleidienste Anlaß gibt, da das Zimmer der Konzeptsbeamten, wenn chiffriert wird, von den Kanzleibeamten und anderen Personen nicht betreten werden kann ... Mensdorff schlug daher vor, das jetzige Kanzleigebäude durch den Aufbau eines weiteren Stockwerks zu vergrößern ... Der Vorteil dieses Neubaues liegt darin, daß die Botschaft nicht nur eine Kanzlei für den Kommerzdirektor, sondern auch ein kleines Chiffrierzimmer erhalten wird. Die Kosten dieser Vergrößerung kämen, was den Bau anbelangt, auf LSt. 263 zu stehen. Für die Einrichtung wäre noch etwa LSt. 30 pro Zimmer zu rechnen, so daß die ganze Auslage den Betrag von LSt. 333 nicht überschreiten dürfte. Hiezu käme noch die Anschaffung einer neuen feuersicheren Kasse für das Chiffrierzimmer, da der im Zimmer der Konzeptsbeamten befindliche eiserne Kasten das neue Stockwerk zu sehr belasten würde und ein kleinerer hinaufgestellt werden müßte. Ein solcher Kasten wäre hier um etwa 25-30 LSt. zu kaufen ...70 HHStA Wien, AR, Fach 6/87, Bericht Nr. XCVIII an MdÄ vom 6. 11. 1909. 69 HHStA Wien, AR, Fach 6/65, London 62, Bericht Nr. CXIII-J an MdÄ vom 8. 11. 1911. 70 Ebenda, Bericht Nr. CI an MdÄ vom 15. 11. 1909. 20