Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 45. (1997)
AGSTNER, Rudolf: Von Chandos House zum Belgrave Square. Österreichs Botschaft in London 1815–1997
Rudolf Agstner 2 400 LSt, dazu kam die Grundsteuer von 400 LSt., womit die Kosten um 1 000 LSt. über der damals bezahlten Miete lagen und das Projekt sofort gestorben war. Im Januar 1877 nahm das Ministerium zum nächsten aus London einlangenden Vorschlag so Stellung: ... Die jetzige Miete des Botschaftshotels in London beträgt 18 000 Gulden31. Im Oktober 1877 läuft die Miete ab, könnte aber auf 2 weitere Jahre verlängert werden gegen die Erhöhung des Zinses auf 20 000 Gulden ... Das dem Herzog von Westminster gehörige, seit 1867 fertige Haus in Grosvenor Square wäre für 80 Jahre um 20 000 Gulden jährlich zu mieten. Außerdem wäre dafür jetzt gleich ein Kapital von 100 000 Gulden zu zahlen und für die Einrichtung wäre eine Summe von 80 000 Gulden erforderlich. Die ... Kapitalbeträge von zusammen 180 000 Gulden würde die Alliance Company gegen 4 % Zinsen und 1 % Amortisation vorstrecken ... Für Miete, Amortisation, Reparatur und Nachschaflungskosten werden jährlich zusammen 34 600 Gulden berechnet. Nach Ablauf der Amortisation wäre für den Rest von 80 Jahren jährlich 25 600 Gulden erforderlich ... Da uns dieses Projekt bedeutend höhere Lasten als die gegenwärtigen auferlegen würde und keine Notwendigkeit besteht die jetzige Miete dermalen schon aufzulassen ... dürfte das Projekt abzulehnen sein ,..32 Doch es gab noch andere Angebote. Geschäftsträger Wolkenstein berichtete, daß „der Herzog von Westminster das ehemalige Stronsberg’sche Haus in London nunmehr ... um 2 218 LSt. jährlich für 7, 14 oder 21 Jahre angeboten hat“33. Die Sache wurde nicht weiter verfolgt, da Wien gegenüber der bisher bezahlten Miete eine Kostensteigerung von 11 % errechnete. Alle diese Vorschläge der Londoner Botschaft widersprachen, wie Botschafter Beust klar erkannte, den Intentionen des Ballhausplatzes, „um den möglichst billigen Preis der hohen k. u. k. Regierung für die möglichst längste Zeit das passendste Haus in London zu verschaffen ...34 Nach dem Tod von Sir Henry Meux im Jahre 1883 ließ Botschafter Károlyi es sich angelegen sein, „wegen der Fortführung unserer Miete bei Zeiten Vorsorge zu treffen ... das Botschaftshotel ist in den Besitz seines Sohnes gleichen Namens übergegangen. Derselbe hat nicht die Absicht, es selbst zu bewohnen, und ist geneigt es auch ferner der Botschaft, jedoch unter geänderten Bedingungen zu überlassen“. Meux war zur Vermeidung der auf ihn fallenden „rates and taxes“ interessiert, das Haus nicht „möbliert“, sondern unmöbliert auf 21 Jahre zu vermieten und der Botschaft sein darin befindliches Mobiliar zu verkaufen. Károlyi befürwortete den Vorschlag: Von meinem Standpunkte und nach reiflicher Erwägung der hiesigen Lokalverhältnisse kann ich nur meine Überzeugung aussprechen, daß ein besseres und würdigeres Gebäude für die k. u. k. Botschaft als das jetzt von ihr innegehabte überhaupt nicht leicht und keinesfalls billiger gefunden werden kann, es sei denn, die Regierung entschlösse sich zum Ankauf oder zum Bau eines eigenen Hotels. Sir Henry Meux wäre bereit die noch ca. 40 Jahre dauernde lease seines Hauses der k. u. k. Regierung ganz zu verkaufen, und es lieEin Gulden von 1877 entspricht 1997 der Kaufkraft von 111,94 Schilling; die jährliche Miete belief sich daher auf umgerechnet 2,014 920 Schilling (ÖStatZA). HHStA Wien, AR, Fach 6/65, MdÄ ZI. 19109/2, Erlaß an Wolkenstein vom 5. 1. 1877. Ebenda, Bericht Nr. VI an MdÄ vom 8. 1. 1877. Ebenda, London-11: Miete, Bericht Nr. 15-E an MdÄ vom 7. 3. 1877. 8