Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
BENL, Rudolf: Das Heidelberger Monarchentreffen von 1815 im Spiegel eines zeitgenössischen Briefes
Das Heidelberger Monarchentreffen von 1815 drei Darstellungen die Hoffnung aufschimmert, Kaiser Franz werde die 1806 niedergelegte Kaiserkrone wieder aufnehmen. Diesem Erwarten, das weithin in Deutschland verbreitet war, wurde im Juni 1815 auch in Heidelberg lebhafter Ausdruck verliehen. Das bei der Stadtbeleuchtung am 5. Juni an der Wohnung des Geheimen Hofrats und Professors Ackermann angebrachte Transparent Vivat Franciscus primus, utinam secundus sei als ein besonders schlagender Beleg für diese Gesinnung angeführt29. Überhaupt war Franz, schlicht, leutselig, bürgernah wie er sich gab, offenbar der Liebling der Heidelberger. Selbst der ehemalige „Jakobiner“ Kayser schrieb30: Sein Anblick bezauberte jedermann [...]. So sehr man ihn ehemals verspottete und verachtete, so sehr prieß und verehrte man ihn nun. Franz, schwunglos, kalt, ledern, dachte allerdings nicht im Ernste daran, den Hoffnungen des Volkes mit mehr als unverbindlichen Worten entgegenzukommen. Doch im Juni 1815 hatte sich die Flut echter vaterländischer Begeisterung noch nicht verlaufen. Ein Zeugnis dafür ist auch unser Brief. Anhang N. N. (Hans Hansen ?) an Hagemann (in Kiel ?)31 Heidelberg, den 19lcn Junii 1815 Hochgeehrtester Herr Hagemann! Selbst in Heidelberg, einem Orte, den alle, die ihn kennen, für einen der allerschönsten und interessantesten Deutschlands erklären, habe ich kein größeres Vergnügen, als mich Holsteins und meiner dortigen Freunde und Gönner zu erinnern, und3 noch hege ich die frohe Hoffnung, Sie, wertester 29 Dittenberger: Die Kaiser in Heidelberg, S. 52. 30 Schneider: Aus gärender Zeit, S. 83. 31 Original, eigenhändig, 1 Blatt (39 cm x 23,7 cm) einmal gefaltet, S. 1, 2 und 3 (diese nicht völlig) beschrieben, Wasserzeichen ganz ähnlich dem Zeichen bei Piccard, G.: Wasserzeichen Hom. Stuttgart 1979 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg: Sonderreihe: Die Wasserzeichenkartei Piccard im Hauptstaatsarchiv Stuttgart; Findbuch 7), Nr. VIII/4 (Karlsruhe 1787). Rechtschreibung und Zeichensetzung des Briefes werden, wo dies nicht eine Änderung des Lautstandes bewirkt, gemäß den heutigen Regeln verändert; dies betrifft im wesentlichen die Änderung th-t. Alle Fremdwörter sowie alle Eigennamen werden dagegen, auch wenn sie eindeutig falsch geschrieben sind (z. B. Lichtenstein), unverändert belassen. Schwerwiegende Fehler im Grammatikalischen werden unter Angabe des Wortlautes der Vorlage berichtigt. Kürzungen sind aufgelöst. 3 Nachträglich eingeschoben. 83