Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)
BENL, Rudolf: Das Heidelberger Monarchentreffen von 1815 im Spiegel eines zeitgenössischen Briefes
Rudolf Beni zu erwähnen nicht unterläßt. Er war 1767 als Sohn des kurpfälzischen wirklichen Regierungsrates und damaligen Landschreibers des Oberamtes Heidelberg Ferdinand Joseph Maria Wrede in Heidelberg geboren1S. Auf die frühen kriegerischen Taten, die auf den gar nicht zum Soldaten Erzogenen die allgemeine Aufmerksamkeit lenkten, spielt der Brief an. Die Geschichte von Wredes Relegation scheint jedoch nicht auf Tatsachen zu beruhen, wenngleich Wrede ein fröhlicher Student gewesen ist. „Forstbedienter im Odenwalde“ ist Wrede nie gewesen; durch Kauf hat er 1797 die einträgliche, ihn aber wohl zu nichts verpflichtende Stelle eines Oberforstmeisters der Rheinpfalz erlangt. Die Bemerkungen über Wredes kriegerische Ruhmestaten beziehen sich wahrscheinlich auf die kühnen Operationen, die Wrede im zweiten Koalitionskriege als Oberst im Heidelberger Raum mit „seinem zusammengerafften Haufen, dessen größter Theil freiwillig sich nur zur Vertheidigung seiner heimatlichen Gegend anheischig gemacht hatte“, vollführt hatte. Der Oberkommandierende Karl Fürst zu Schwarzenberg richtete am 24. Mai sein Hauptquartier in Heidelberg ein. Mit nicht gerade übermäßigem Respekt erzählt der Schreiber von dem fürstlichen Ehepaar, sich darin von der ehrfurchtsvollen Darstellung Dittenbergers abhebend18 19. Das gleiche gilt für seine Schilderung von Kaiser Franzens und seiner Brüder Aussehen sowie von seinem Bericht über Alexander von Rußland. Derartige Ungeschminktheiten hätte sich Dittenberger nicht erlaubt. Was unser Brief über die Studentenzüge, welche den Monarchen Huldigungen darbrachten, erzählt, stimmt mit Dittenberger überein. Bei Dittenberger liest man, daß Kaiser Franz gesagt habe20: Es hat mir sehr gut gethan, daß Sie mich so würdig gehalten. Ihre bezeugte Achtung ist mir werth, und ich danke Ihnen dafür. Ich sehe daß in Ihnen noch ein Deutscher Geist lebt, wie in Ihren - 7 Vorältem: dies freut mich und ich wünsche, daß es fortwährend so bleibt\ Das Uebrige wollen wir hoffen, wird jetzt auch Alles recht gut gehen. Möglicherweise hat Esmarch, der mit Westermann aus Bad Ems, W. Fischer aus Karlsruhe und Petitpierre aus Neuchätel zu der vom Kaiser vorgelassencn Viererabordnung gehörte, dem Schreiber des Briefes (Hans Hansen) die von Franz gesprochenen Worte mitgeteilt; die Übereinstimmung zwischen Dittenberger und dem in dem Briefe Mitgeteilten ist ja beträchtlich. Dagegen schreibt der Pfarrer - wie bei seinen Gesinnungen ganz natürlich - weder von den angeblichen Streifzügen des Kronprinzen von Bayern auf der Suche nach weiblichen Schönheiten, noch von der Abneigung zwischen diesem und dem Kronprinzen Wilhelm von Württemberg, noch von der Karikatur auf den dicken 18 Zu Wrede siehe Heilmann: Feldmarschall Fürst Wrede, zu seiner Studentenzeit: S. 4 f.; zu den Kämpfen in der Umgebung von Heidelberg: S. 38-44, bes. S. 40 (dort auch das Zitat). Siehe auch D o r m a n n : Feldmarschall Fürst Wrede S. 9-15 (S. 14 zu der Stelle eines Oberforstmeisters). 19 Zu Schwarzenberg siehe Schwarzenberg: Feldmarschall Fürst Schwarzenberg. Zu seinem Aussehen: S. 47. Die Fürstin war um drei Jahre älter als der Feldmarschall. 20 Dittenberger: Die Kaiser in Heidelberg. S. 68 f. (Hervorhebung im Original). 80