Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

BENL, Rudolf: Das Heidelberger Monarchentreffen von 1815 im Spiegel eines zeitgenössischen Briefes

Rudolf Beni des Fackelzugs, die in dem Briefe geboten wird, geht jedoch eindeutig hervor, daß der Schreiber lediglich zu den einfachen Teilnehmern des Fackelzugs, nicht aber zu den „chapeaux d’honneur“ gehört hat. Schreiber des Briefes war also der Student der Rechte Hans Hansen. Hans Hansen ist am 6. April 1792 in Glückstadt (Holstein) als Sohn des Con- rektors Hans Christopher Hansen und seiner Ehefrau Sophia Dorothea Bene­dicta, einer geborenen Westphal, geboren und am 11. April dortselbst getauft worden10. Sein Vater war am 13. Mai 1764 in Struxdorf (Kreis Schleswig) gebo­ren, war von 1789 bis 1795 Conrektor in Glückstadt, wurde 1795 Pastor in Hollingstcdt, war von 1803 bis 1842 Pastor in Oldesloe und ist 1847 in Wands­beck gestorben11. Hans Hansen schrieb sich als , juris et cameralium studiosus“ am 3. Mai 1811 an der Universität Kiel ein12, am 31. Oktober 1814 wurde er an der Universität Heidelberg immatrikuliert. Über sein weiteres Leben ist nichts ermittelt worden. Wenn man vermutungsweise, doch nicht ohne Grund davon ausgeht, daß der vorgesehene holsteinische Empfänger des Briefes, ein Mann namens Hagemann, in Kiel gelebt hat, dann mag man diesen in Wulff Heinrich Hagemann sehen, der dort nach Ausweis der Volkszählung vom 13. Februar 1803 als Eigentümer das Haus „Bey der Mauer zum Küterthor“ (heute Küterstraße 17) bewohnte. Er war 1803 35 Jahre alt, war unverheiratet und lebte „vom Unterhalt seines Va­ters, des Justizraths Hagemann zu Osterradc“. Mit ihm in dem Hause lebten damals das vierjährige angenommene Kind Juliana Maria Friedrica Jenssen sowie die 26jährige Dienstmagd Anna Elisabeth Stoltin13. Schwarzenberg zog am 24. Mai in Heidelberg ein14. Am Abend desselben Ta­ges veranstalteten die Studenten einen Fackelzug ihm zu Ehren, den er vom Evangelisch-lutheranische Kirchengemeinde Glückstadt: Taufregister der Glückstädter Schloß- und Gamisonsgemeinde, Taufregister von 1792 Nr. 16 (ich danke der Kirchengemeinde ftir die Übersen­dung einer Ablichtung). 11 Ar ends, Otto Fr.: Gejstligheden i Slesvi og Holsten fra Reformationen til 1864. Teil 1. Koben- havnl932, S. 314. G u n d 1 a c h , Franz (Hrsg.): Das Album der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665-1865. Kiel 1915, S. 180. 13 Stadtarchiv Kiel, Akte 371 a (Volkszahl-Register der Stadt Kiel vom 13. Februar 1803) 270 (ich danke dem Stadtarchiv Kiel für die Zusendung einer Ablichtung). Aus V o 1 b e h r, Friedrich: Bei­träge zur Topographie der Stadt Kiel in den letzten drei Jahrhunderten. Erste Hälfte. Kiel 1881, S. 150, geht hervor, daß der Justizrat Hagemarm auf Osterade und Kluvensiek Haus 1790 erworben hat. Der folgende Überblick über die äußeren Geschehnisse nach Dittenberger: Die Kaiser in Heidelberg. Das Zyllenhardtische Haus ist das heutige Gebäude Hauptstraße 97, in dem das Kur­pfälzische Museum untergebracht ist, das Loosische Haus ist das Gebäude Hauptstraße 120, die ehemalige Landschreiberei am Karlsplatz beherbergt heute die Heidelberger Akademie der Wissen­schaften. Zu dem von Alexander I. bewohnten Landhaus siehe Neubauer: Alexander I., S. 160 f.; Alexander scheint sich nur tagsüber in dem Landhaus aufgehalten zu haben, was man auch aus der in dem Brief gegebenen Schilderung des den Monarchen am 6. Juni dargebrachten Fackelzu­ges schließen kann (Voraussetzung dafür wäre, daß Alexander das Landhaus schon am 6. Juni bezo­gen hätte). Der Weg vom Karlsplatz zu dem Landhause wäre jedenfalls recht weit. 78

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