Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44. (1996)

STRIMITZER, Birgit: Der k. k. Staatsrat Friedrich Freiherr Binder von Krieglstein, Freund und Sekretarius des Staatskanzlers Kaunitz. Ein Beitrag zur Klientelpolitik der maria-theresianischen Epoche

haben, Heimatkundler sich an ihm orientieren können. Aufgrund der aufgezeig­ten Monita stellt sich aber - mit Ausnahme des Beitrages von Beer - die Frage nach dem Wert dieser Publikation für eine moderne Regionalgeschichts­forschung. Michael Gehler, Innsbruck Rathkolb, Oliver: Führertreu und gottbegnadet. Künstlereliten im Drit­ten Reich. Wien: Österreichischer Bundesverlag 1991. 303 S., Illustr. Wir sehen uns im deutschsprachigen Kommunikationsraum immer deutlicher der Tendenz ausge­setzt, endlich einen ,Schlußstrich1 unter die Analysen und Debatten über Faschismus und National­sozialismus zu ziehen, obwohl eine grundlegende gesellschaftlich wirksame ,Aufklärung4 zu ,dem‘ zentralen Thema der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts nicht erfolgt ist, steht in der Einleitung des vorliegenden Buches über Beziehungsgeflechte und Abhängigkeiten zwischen prominenten Künstlerinnen und Künstlern des Film-, Sprech- und Musiktheaters und dem nationalsozialistischen Regime zu lesen. Tatsache ist, daß die kulturpolitische Publizistik in den letzten zehn bis zwanzig Jahren zu besagter Thematik eine Reihe wertvoller quellenorientierter Arbeiten - nicht zuletzt als Folge der demokratiepolitischen Veränderungen - hervor­brachte, doch wurde im Grande auf umfassende Darstellungen des Phänomens „Kulturschaffende und Macht im Nationalsozialismus“ zugunsten von Einzel­studien verzichtet. Der Wiener Historiker und promovierte Jurist Oliver Rathkolb legt nun die Zusammenfassung seiner in zehnjähriger Arbeit durchgeführten Recherchen vor, deren Ergebnis manchen Leser mit unangenehmen Entdeckungen konfron­tieren wird. Es dokumentiert, in welchem Ausmaß sich die Berühmtheiten des deutschen Musik- und Sprechtheaters mit dem nationalsozialistischen Macht­apparat einließen, analysiert aber auch die späteren Erklärangs- und Rechtferti­gungsargumente und die mehr oder weniger erfolgreichen Verdrängungs- und Vertuschungstendenzen in den Jahren nach 1945. Natürlich war die Zeit für uns furchtbar. Der Krieg, die Bomben ... und trotz allem war es damals beglückend, die vielen guten Konzerte zu hören, ins Theater oder in die Oper zu gehen, das waren so wunderbare Vorstellungen, daß man auf Not und Sorgen vergessen hat. Aussagen dieser Art sind symptomatisch, wenn es um Erinnerungen an das „Dritte Reich“ geht. Dessen Machthaber waren sich der systemstabilisierenden Wirkung künstlerischer Produktionen durchaus bewußt und förderten und schätzten ihre „Gottbegnadeten“ selbst während des „Totalen Krieges“. In ver­blüffend kurzer Zeit geriet der Bereich des Kulturschaffens unter Kontrolle des NS-Staates und wurde mit ähnlicher Gründlichkeit „durchorganisiert“ wie etwa die Rüstungsindustrie. Man konnte jedoch im Gegensatz zu dieser auf die Re­krutierung von Zwangsarbeitern verzichten. Das Freiwilligenpotential von kar­rierebewußten Künstlern war derart reichhaltig, daß auch die Rollen der aus „rassischen“ Gründen Verfolgten mühelos umbesetzt werden konnten. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 44/1996 - Rezensionen 395

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